Für uns ist der Tag der Deut­schen Ein­heit ein sehr beson­de­rer Tag. Er gibt Anlass zur Freude und zum Feiern von Gemein­sam­kei­ten – aber auch zur Benen­nung dessen, was uns noch trennt, und zur Suche nach Ver­bin­den­dem.

Der Tag der Deut­schen Ein­heit ist auch immer ein Tag, um die Leis­tun­gen der Fried­li­chen Revo­lu­ti­on, der Bür­ge­rin­nen und Bürger, aber auch der Bür­ger­recht­ler und der han­deln­den Poli­ti­ker zu wür­di­gen.

Aus unse­rer Sicht ist jetzt ein neuer Auf­bruch Ost not­wen­dig.

Dirk Panter

Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der

Die Abge­ord­ne­ten der SPD-Frak­ti­on werden am 3. Okto­ber an unter­schied­li­chen Orten genau das tun: Erin­nern und Wür­di­gen. Und wir werden auch den Blick nach vorn rich­ten: Wie soll es in unse­rem Land wei­ter­ge­hen? Was müssen wir ändern?

30 Jahre Deut­sche Ein­heit sind auch in Sach­sen ein Grund zum Feiern. Vor allem, wenn man bedenkt, wo Sach­sen 1990 gestar­tet ist. Der wirt­schaft­li­che Wie­der­auf­bau ist enorm vor­an­ge­kom­men. Die For­de­run­gen nach Frei­heit von 1989 sind Teil unse­rer Demo­kra­tie. Die mas­si­ven Umwelt­be­las­tun­gen im Osten sind weit­ge­hend besei­tigt. Auch einige große Bedro­hun­gen der Nach­wen­de­zeit haben ihren Schre­cken ver­lo­ren: Die Abwan­de­rung ist end­lich gestoppt. Die Arbeits­lo­sig­keit ist – bei allen bestehen­den Pro­ble­men – nied­rig.

Dabei haben wir im Blick, dass die Men­schen mit der Fried­li­chen Revo­lu­ti­on einen radi­ka­len gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Umbruch erleb­ten, der die gesam­te Lebens­welt betraf. Die meis­ten Sach­sen nutz­ten trotz man­cher Härten und Ent­täu­schun­gen ihre Chan­cen und Frei­hei­ten. Einige aber zer­bra­chen daran. Andere kamen in dem neuen Staat nie rich­tig an. Die Erfah­run­gen der hier in Sach­sen Leben­den mit der Zeit nach 1989 waren so viel­schich­tig wie es Lebens­um­stän­de, Bio­gra­fien, Glück und Zufall nun mal sind.

Gut, dass wir all diese Aspek­te unse­rer Geschich­te im ver­gan­ge­nen Jahr offen dis­ku­tiert und auch die belas­ten­den Dinge dabei nicht ver­schwie­gen haben. Wir haben gerade in Sach­sen zu lange an ver­meint­li­chen Erfolgs­sto­rys der 90er Jahre fest­ge­hal­ten. Dass das nicht mehr so ist, ist maß­geb­lich ein Ver­dienst von Petra Köp­ping. Dieser nun­mehr dif­fe­ren­zier­te Blick auf die Ver­gan­gen­heit ist Vor­aus­set­zung für die not­wen­di­ge Debat­te über Zukunfts­vi­sio­nen für unser Land.

Der 3. Okto­ber ist für uns des­halb vor allem auch ein wei­te­rer Anlass, um über die Zukunft zu spre­chen. Wo kann und soll Sach­sen in 10 oder 20 Jahren stehen? Was müssen wir tun, damit der Zusam­men­halt in unse­rem Land wieder wächst? Wie teilen wir Macht und ermög­li­chen damit mehr Bür­ger­be­tei­li­gung? Wie stär­ken wir denen den Rücken, die für gute Löhne und ordent­li­che Tarif­ver­trä­ge strei­ten? Wie unter­stüt­zen wir die, die im Land blei­ben und inno­va­ti­ve Unter­neh­men grün­den?

Aus unse­rer Sicht ist jetzt ein neuer Auf­bruch Ost not­wen­dig.

Digi­ta­li­sie­rung, Kli­ma­schutz, Auto­ma­ti­sie­rung und neue Mobi­li­täts­kon­zep­te werden unsere Art zu leben und zu wirt­schaf­ten ver­än­dern. Der Osten und damit auch Sach­sen hat bei­spiels­wei­se die Chance, kom­plett neue Wirt­schafts­zwei­ge zu ent­wi­ckeln. Wir müssen und können errei­chen, dass die Men­schen genau bei diesen Ver­än­de­run­gen auch künf­tig gute Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se haben. Inno­va­ti­on, gute Arbeit und sozia­le Gerech­tig­keit gehö­ren auch in Zukunft für uns dabei zusam­men.