+++ 75. Jah­restag der bedin­gungs­losen Kapi­tu­la­tion +++ Bedeu­tung des 8. Mai darf nicht infrage gestellt werden +++

Hanka Kliese, stell­ver­tre­tende Vor­sit­zende der SPD-Frak­tion im Säch­si­schen Landtag, und
Frank Richter, Spre­cher für Kultur und Demo­kratie der SPD-Frak­tion im Säch­si­schen Landtag, zum Tag der Befreiung:  

In diesem Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Welt­kriegs zum 75. Mal. Am 8. Mai 1945 schwiegen in Europa die Waffen, in Asien einige Monate später. Viele große und wich­tige Erin­ne­rungs- und Gedenk­ver­an­stal­tungen waren geplant. Unter den aktu­ellen Umständen der welt­weiten Bekämp­fung der Corona-Pan­demie wird kaum etwas davon rea­li­siert werden können.

Den­noch ruft die SPD-Frak­tion dazu auf, an das zu erin­nern und das zu bedenken, was sich vor 75 Jahren ereig­nete. Ein von Deutsch­land ver­ur­sachter Wel­ten­brand, der zweite Welt­krieg, ein Krieg, der von der Wehr­macht ins­be­son­dere an den öst­li­chen Fronten als bru­taler Ver­nich­tungs­krieg geführt wurde, ging zu Ende. Große Teile Europas, auch Deutsch­lands, lagen in Schutt und Asche. Die His­to­riker schätzen die Zahl der im und durch den Krieg getö­teten Men­schen auf 60 bis 65 Mil­lionen. Schät­zungen, in denen die durch Kriegs­ver­bre­chen und spä­tere Kriegs­folgen ums Leben gekom­menen mit­ge­rechnet werden, auf bis zu 80 Mil­lionen.

Der 8. Mai war gewiss keine „Stunde Null“. Den­noch begann an diesem Tag der Aufbau einer neuen poli­ti­schen Ord­nung, die Deutsch­land und Europa teilte und trennte.

Hanka Kliese: „Das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ter­ror­system hatte unsäg­li­ches Leid über Men­schen gebracht. Der 8. Mai war des­halb eine Befreiung für sehr viele unter­schied­liche Per­so­nen­gruppen: Für Juden, für Men­schen mit Behin­de­rung, Sinti und Roma, Homo­se­xu­elle aber auch für die kriegs­müden, hun­gernden Teile der Bevöl­ke­rung und nicht zuletzt für poli­tisch Anders­den­kende. Der Ein­satz der Völker der Sowjet­union ist allein auf­grund der enormen Opfer­zahlen ihrer­seits nicht hoch genug zu schätzen.

 

In den letzten Jahren mehren sich die Stimmen, welche die Bedeu­tung des 8. Mai infrage stellen. Richtig ist, dass im Osten Deutsch­lands auf die deut­sche Dik­tatur eine Dik­tatur auf deut­schem Boden folgte. Nicht richtig ist es, die eine Dik­tatur mit der anderen auf eine Stufe zu stellen.

Die Sin­gu­la­rität des Holo­caust steht außer Frage. Wer die Bilder aus den befreiten Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern sieht, kann keinen Zweifel daran haben, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung einen ganz wesent­li­chen Schritt zurück in eine mensch­liche Gesell­schaft mar­kiert.

 

Was bedeutet der Gedenktag für die heu­tige Zeit: Er sollte uns stets mahnen, wohin Aus­gren­zung ein­zelner Men­schen­gruppen führen kann. Der 8. Mai kann uns sen­si­bi­li­sieren für unseren gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt und dafür, wie stark Deutsch­land noch vor wenigen Jahr­zehnten auf die Soli­da­rität anderer Staaten ange­wiesen war. Gerade diese Rück­be­sin­nung auf eine Zeit des Neu­an­fangs, welche mit­nichten eine deut­sche Ein­zel­leis­tung war, kann uns in diesen Tagen beson­ders guttun.“

 

Frank Richter: „Wer vom 8. Mai 1945 spricht, muss den 30. Januar 1933 mit­denken. Mit der Über­tra­gung der Reichs­kanz­ler­schaft an Adolf Hitler über­nahmen Ras­sismus, Natio­na­lismus, Grö­ßen­wahn und Hass die poli­ti­sche Macht. Das Land ver­sank zuneh­mend in Recht­lo­sig­keit und Gewalt. Deutsch­land rüs­tete zum Krieg und begann den Krieg.

Spä­tes­tens am 8. Mai mussten und konnten alle erkennen, wie­viel Elend im Namen des Natio­nal­so­zia­lismus über die Men­schen und Völker – auch über das Volk der Deut­schen – gebracht worden war.

‚Nie wieder Krieg!‘ und ‚Wehret den Anfängen!‘ waren zwei Pos­tu­late, die sich damals in die Gedanken und Gefühle der Men­schen ein­ge­brannt haben. Sie gelten bis heute als poli­ti­sche Maxime.

Wenn wir heute, 75 Jahre danach, des 8. Mai 1945 gedenken, kann uns ein Wort des Holo­caust-Über­le­benden Max Mann­heimer: ‚Ihr seid nicht ver­ant­wort­lich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.‘“

Die SPD-Frak­tion im Säch­si­schen Landtag im Säch­si­schen Landtag ruft alle Mit­bür­ge­rinnen und Mit­bürger dazu auf, am 8. Mai inne­zu­halten, die Bot­schaft dieses Tages in ihr poli­ti­sches Enga­ge­ment zu über­tragen, die Men­schen­würde und die Demo­kratie zu ver­tei­digen und sich für ein soli­da­ri­sches Mit­ein­ander der Völker ein­zu­setzen.