Enge Part­ner­schaft von Eltern und päd­ago­gi­schen Fach­kräf­ten gefragt: Es geht um die Bedürf­nis­se der Kinder

Ange­sichts der bevor­ste­hen­den Öff­nung von Grund­schu­len und Kin­der­ta­ges­stät­ten für den „ein­ge­schränk­ten Regel­be­trieb” erklärt die bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD-Frak­ti­on Sabine Frie­del:

Uns errei­chen große Erwar­tun­gen und große Befürch­tun­gen. Beides ist über­trie­ben. Die nächs­ten Monate werden alles andere als normal in unse­ren Schu­len und Kitas. Dar­über darf auch das Wort vom ‚ein­ge­schränk­ten Regel­be­trieb’ nicht hin­weg­täu­schen. Es wird ver­kürz­te Öff­nungs­zei­ten geben, andere Tages­ab­läu­fe und ein­ge­schränk­ten Unter­richt. All das wird Pro­ble­me mit sich brin­gen. Doch die Kinder wei­ter­hin von allem aus­zu­schlie­ßen, bräch­te noch viel grö­ße­re Pro­ble­me mit sich. Wir können den Kin­dern ihr Recht auf Bil­dung, auf gemein­sa­mes Spiel und sozia­len Aus­tausch nicht dau­er­haft ver­weh­ren. Des­halb ist es bei allen zu erwar­ten­den Schwie­rig­kei­ten rich­tig, die Kitas und Schu­len vor­sich­tig und schritt­wei­se wieder zu öffnen.

Alle Vor­sichts­maß­nah­men und Ein­schrän­kun­gen sind nötig. Sie dienen dem Wohl der päd­ago­gi­schen Fach­kräf­te. Dadurch, dass in den Kitas und Schu­len feste Grup­pen abso­lu­te Grund­be­din­gung sind, können sich lange Infek­ti­ons­ket­ten gar nicht erst auf­bau­en und mehr Men­schen blei­ben geschützt. Es ist gut, dass die Kitas und Grund­schu­len vom Kul­tus­mi­nis­te­ri­um größ­ten Frei­raum bei der zeit­li­chen und räum­li­chen Orga­ni­sa­ti­on ihrer päd­ago­gi­schen Arbeit erhal­ten haben. Diesen müssen sie nun auch nutzen! Grup­pen­bil­dung, mehr Selbst­lern­pha­sen statt geführ­ten Unter­richts, viel Frei­zeit im Freien, die Ein­be­zie­hung des Horts und von GTA-Kräf­ten auch am Vor­mit­tag und eine ver­stärk­te Zusam­men­ar­beit mit schulex­ter­nen Bil­dungs­trä­gern – es gibt viele Bau­stei­ne, mit denen jede Ein­rich­tung die für sie best­mög­li­che Lösung finden kann.

Wäh­rend in der einen Ein­rich­tung eine Betreu­ung von 7 bis 16 Uhr orga­ni­siert werden kann, geht es an einer ande­ren Ein­rich­tung auf­grund von Per­so­nal­man­gel viel­leicht nur von 9 bis 13 Uhr. Dies alles hängt ab von den räum­li­chen und per­so­nel­len Bedin­gun­gen vor Ort. Doch selbst wenn es nur drei oder vier Stun­den am Tag sind: Für die Kinder wird diese Zeit eine unglaub­li­che Erleich­te­rung und Berei­che­rung sein. Und von den Eltern muss alles Ver­ständ­nis dafür erwar­tet werden, dass der Infek­ti­ons­schutz für die Fach­kräf­te eine län­ge­re Betreu­ungs­zeit nicht zulässt. Sie soll­ten sich mit ihren Kin­dern freuen, dass es über­haupt wieder in die Kita oder in die Schule geht.

Bei allen Dis­kus­sio­nen dürfen wir nicht ver­ges­sen: Keiner hat sich dieses Virus aus­ge­sucht. Es ist nun einmal da, es bleibt da und wir müssen Wege finden, damit umzu­ge­hen. Es heißt nicht umsonst: „Not macht erfin­de­risch”. In vielen Kitas und Schu­len werden nun neue Wege gefun­den.

Allen – den Eltern, den Fach­kräf­ten und den Behör­den – muss klar sein: 

  • Es wird ver­kürz­te Öff­nungs­zei­ten und ver­kürz­ten Unter­richt geben.
  • Es geht nicht nach Lehr­plan, son­dern nach den Bedürf­nis­sen der Kinder.
  • Es wird Lehrer/​innen und Erzieher/​innen geben, die nicht direkt mit den Kin­dern arbei­ten können.
  • Es wird Kinder geben, die nicht in die Schule geschickt werden können.
  • Es wird neue Tages­ab­läu­fe geben, die sich vom ‚Nor­ma­len‘ deut­lich unter­schei­den.

Es wird ver­kürz­te Öff­nungs­zei­ten und ver­kürz­ten Unter­richt geben.

Es geht nicht nach Lehr­plan, son­dern nach den Bedürf­nis­sen der Kinder.

Es wird Kinder geben, die nicht in die Schule geschickt werden können.

Es wird neue Tages­ab­läu­fe geben, die sich vom „Nor­ma­len” deut­lich unter­schei­den.

Alle – die Eltern, Fach­kräf­te und Behör­den – dürfen darauf ver­trau­en: Not macht uns Men­schen erfin­de­risch. Nutzen wir die Chan­cen.

Mit der neuen Rechts­ver­ord­nung hat die Staats­re­gie­rung häus­li­che Betreu­ungs- und Lern­grup­pen ermög­licht. Damit können sich die Fami­li­en gegen­sei­tig helfen und auch die Kita oder Grund­schu­le ihres Kindes in beson­de­rer Weise unter­stüt­zen. Die Lern­grup­pen im häus­li­chen Umfeld können auch den älte­ren Schü­lern helfen, die Selbst­lern­pha­sen besser zu bewäl­ti­gen. Wir freuen uns, dass unser Vor­schlag auf­ge­nom­men wurde. In den nächs­ten Wochen ist es aus unse­rer Sicht wich­tig, eine klare und ver­läss­li­che Finan­zie­rung für die Kosten im Kita-Bereich zu ver­ein­ba­ren. Diese muss einer­seits den pan­de­mie­be­ding­ten Mehr­auf­wand der Träger berück­sich­ti­gen und ande­rer­seits die Belas­tun­gen der Eltern redu­zie­ren – gerade wenn eine „nor­ma­le Regel­be­treu­ung” auf län­ge­re Zeit nicht gewähr­leis­tet werden kann.