Sabine Friedel, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, am Montag zur Debatte um den generellen Verzicht auf Schuljahreswiederholungen:

“Das ist doch eine Scheindebatte. Das sächsische Kultusministerium hat in all seinen Verlautbarungen und Regularien sehr klar gemacht, dass gerade angesichts der Corona-Krise im Zweifelsfall zugunsten der Schüler zu entscheiden ist“, so Sabine Friedel. Sie verweist auf den Blog des Kultusministeriums, wo nachzulesen ist: „Es wird empfohlen, die pädagogischen Beurteilungsspielräume wohlwollend auszulegen“ und „bei der Entscheidung die Schulschließungen durch die Corona-Krise im Interesse der Schüler zu berücksichtigen“.

Friedel weiter: „Ein genereller Verzicht auf die Nichtversetzung ist nutzlose Symbolpolitik. Denn so eine Entscheidung ist genauso wenig pädagogisch durchdacht wie die starren Vor-Pandemie-Regelungen in Sachsen, welche die Versetzung allein an den Schulnoten festmachten. Corona ist an vielen Stellen ein wichtiger Impuls zum Umdenken, so auch hier. Die Lehrkräfte haben bei der Versetzungsentscheidung eine hohe Verantwortung: Denn sie müssen unabhängig von den erreichten Noten pädagogisch beurteilen, welcher Schritt der Schülerin oder dem Schüler wirklich guttut und seinen Lernbedürfnissen am besten gerecht wird. Das ist eine sehr individuelle Beurteilung und Entscheidung, die weit über das Errechnen von Durchschnittsnoten hinausgeht.“

„Wir sind sicher, dass die Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen diese pädagogische Verantwortung gemeinsam mit den Eltern gut wahrnehmen – bei Nichtversetzungsentscheidungen genauso wie bei freiwilligen Klassenwiederholungen. Und dass sie zu schätzen wissen, wenn es künftig mehr auf ihr am Schüler orientiertes pädagogisches Urteil als auf die aus dem Klassenbuch berechnete Note ankommt. Wir wollen, dass Sachsens Schulsystem aus den Corona-Erfahrungen lernt und sich dauerhaft von veralteten bildungspolitischen Konzepten verabschiedet.”