Ver­lei­hung des 22. Frau­en­preises Mut­spen­de­rinnen und Netz­werk­ge­sprä­chen

von Hanka Kliese, MdL

Dinge können sich ändern – aber sie ändern sich nicht von selbst. Um Dinge zu ändern, braucht es selbst­be­wusste Frauen. Frauen, die andere ermu­tigen. Mut­spen­de­rinnen und Hel­dinnen des All­tags.

Die Ver­lei­hung des Frau­en­preises ermög­licht uns jedes Jahr einen beson­deren Blick in die Regionen, für den im poli­ti­schen Alltag wenig Zeit bleibt. Die inten­sive Befas­sung mit ein­zelnen Pro­jekten tut auch uns Poli­ti­ke­rInnen gut. Wir sind dankbar, durch die Arbeit der letzten Jahre so viele tolle Pro­jekte aus ganz Sachsen ken­nen­ge­lernt zu haben.

Manche Frauen sind sich gar nicht bewusst, wie sehr sie mit ihrer Arbeit das Leben von Mäd­chen und anderen Frauen prägen. Was ihnen selbst­ver­ständ­lich scheint, kann einen ganzen Lebensweg ver­än­dern. Frauen nehmen in so vielen Rollen Ein­fluss auf andere – das kann in bestimmten Lebens­phasen ganz ent­schei­dend sein.

Die Bewer­bungen haben uns wie jedes Jahr sehr beein­druckt und her­aus­ge­for­dert. Jedes Jury-Mit­glied hatte (s)ein Lieb­lings­pro­jekt, das er oder sie aus indi­vi­du­ellen Gründen beson­ders ins Herz geschlossen hat – doch nicht alle konnten unter die ersten drei Prä­mierten kommen. Wir danken aus­drück­lich allen, die unsere Welt im Kleinen und viel­leicht auch im Großen täg­lich ein biss­chen besser machen.

Die Preis­trä­ge­rInnen hatte eine Jury aus Mit­ar­bei­te­rInnen und Abge­ord­neten der Frak­tion aus zwölf Bewer­bungen und Vor­schlägen aus­ge­wählt. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Runde im kom­menden Jahr!

Aus­schrei­bung des 22. Frau­en­preises der SPD-Frak­tion im Säch­si­schen Landtag. Dotiert mit ins­ge­samt 1.000 Euro.

 Sehr geehrte Damen und Herren,

viele Frauen, die den Mund auf­ma­chen, kennen sie: die Belei­di­gungen, die Ver­suche, sie wieder zum Schweigen zu bringen, die Dro­hungen, die ein Gefühl von Ohn­macht erzeugen sollen. Doch das gelingt nicht. Frauen erheben ihre Stimme, ver­schaffen sich Gehör, machen auf ihre Belange auf­merksam. Sie werden sichtbar – auch für jene, die noch schweigen.

Um macht­voll zu sein, bedarf es jedoch keiner großen Gesten. Manchmal reicht bereits der sanfte Zuspruch, um das Leben eines Mäd­chens zu ver­än­dern. Eine aus­ge­streckte Hand, um eine andere Frau zu ermu­tigen. Eine geteilte Erfah­rung, um zu zeigen, dass man in dunklen Zeiten nicht allein ist. Laute Vor­bilder sind wichtig für die Gesell­schaft. Doch unter uns gibt es viele, die das Wort in klei­nerem Rahmen ergreifen und gleich­wohl die Macht haben, Leben zu ver­än­dern.

Die SPD-Frak­tion im Säch­si­schen Landtag möchte zum 22. Mal genau diese Frauen ehren und ihnen Dank sagen. Ob sie in Initia­tiven, in Pro­jekten und Ver­einen oder als Ein­zel­kämp­ferin wirken – wir möchten Sie und Ihre Arbeit ken­nen­lernen. Daher freuen wir uns auf Ihre Bewer­bung.

Hanka Kliese, MdL
Spre­cherin für Gleich­stel­lungs­po­litik
der SPD-Frak­tion im Säch­si­schen Landtag

1. Preis

Der erste Preis ging an den „Treff im Hoch­haus“ der Mobilen Jugend­ar­beit Dresden-Süd e.V. Der offene Treff ist seit 2005 feste Anlauf­stelle für Kinder vor allem aus dem Wohn­ge­biet Buda­pester Straße in Dresden. In dem Gebiet leben viele Fami­lien, die auf staat­liche Unter­stüt­zung ange­wiesen sind, und auch zuneh­mend Fami­lien mit Flucht­er­fah­rungen. Seit dem ver­gan­genen Sep­tember gibt es in Koope­ra­tion mit dem Pro­jekt „Brü­cken bauen – Ein­stieg in frühe Bil­dung“ auch einen Treff für Frauen aus Flücht­lings­fa­mi­lien.

www​.mob​sued​.de/​t​r​e​f​f​-​i​m​-​h​o​c​h​h​aus

2. Preis

Der zweite Preis ging an den Verein Frau­en­för­der­werk Dresden. Den Verein gibt es seit 1991, seit 2005 bietet er ver­schie­dene Pro­jekte zur Ver­bes­se­rung der Lebens­si­tua­tion von Migran­tinnen an. Ein Schwer­punkt ist die Inte­gra­tion in den Arbeits­markt. Unter anderem wurden so 245 Frauen je ein Jahr lang ehren­amt­lich beschäf­tigt und gecoacht. So begleitet, unter­stützen die Frauen schließ­lich Senio­rinnen – über­wie­gend Migran­tinnen – bei der Bewäl­ti­gung des All­tags. Der Verein betreute zudem spe­ziell Mütter mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund.

www​.frau​en​fo​er​de​werk​.de

3. Preis

Der dritte Preis ging an Antje Schulz und Diana Mehmel vom Trude e.V. in Gör­litz, die von der AWO Dresden für eine Aus­zeich­nung vor­ge­schlagen wurden. Die beiden Frauen hatten vor fünf Jahren Inter­ven­tions- und Prä­ven­ti­ons­an­ge­bote zum Schutz vor sexua­li­sierter Gewalt an Kin­dern ins Leben gerufen – damals noch im Rahmen ihrer Arbeit beim Schlupf­winkel e.V. Vor einem Jahr grün­deten sie mit wei­teren Mit­strei­te­rinnen den Verein „Trude e.V. – Verein gegen sexua­li­sierte Gewalt und für sexu­elle Selbst­be­stim­mung“. Beson­ders in Erin­ne­rung bleibt uns ein Appell der Prä­mierten: Wenn es keine haupt­amt­li­chen Struk­turen für diese wich­tige Arbeit mit trau­ma­ti­sierten Kin­dern gebe, so Diana Mehmel sinn­gemäß, würden dadurch Täter­struk­turen gestützt und gestärkt

www​.trude​-im​-internet​.de

Preis­trä­ge­rinnen 2019

Beson­ders hat uns gefreut, dass die Gewin­ne­rinnen des Vor­jahres unsere Ein­la­dung ange­nommen haben, über ihr damals aus­ge­zeich­netes Pro­jekt „Frauen.Wahl.Lokal Ober­lau­sitz“ zu berichten. Katrin Treff­korn und Diana Schie­back aus Bautzen und Gör­litz erzählten von Ver­net­zungs­treffen in Ostsachsen, von Ernüch­te­rungen nach den Ergeb­nissen bei der Kom­mu­nal­wahl 2019, als die Frau­en­quote in vielen Stadt- und Gemein­de­räten noch­mals sank. Sie erzählten aber auch von vielen ermu­ti­genden Erleb­nissen in Work­shops, bei Ideen­schmieden oder am selbst gebas­telten Frauen.Wahl.Mobil.

Frauen Wahl Lokal

von Hanka Kliese, MdL

Ich erin­nere mich noch gut an die große Freude in meiner Familie, als meine Oma 1986 eine so genannte Neu­bau­woh­nung zuge­wiesen bekam. Sie musste nun keine Kohlen mehr schleppen, hatte eine Zen­tral­hei­zung und ein rich­tiges Bad. Was damals ein Luxus war, ist heute ent­weder Zei­chen von urbanem Chic wie in Berlin, von Beschei­den­heit oder eben einer wirt­schaft­li­chen Situa­tion, die nicht ganz so rosig ist.

Plat­ten­bauten, die einst­mals große Errun­gen­schaft modernen Woh­nens, sind heute oft so genannte Brenn­punkte.  In ihnen ver­schmelzen nicht nur, aber eben auch gleichsam alle sozialen Pro­blem­lagen, von frühen Hilfen zur Erzie­hung bis zu Alters­armut. Auch Fami­lien mit Flucht­er­fah­rung wird dieser preis­werte Wohn­raum zuge­wiesen. Oft sind diese mit Fragen des täg­li­chen Lebens allein gelassen. Wäh­rend ich mich als Mut­ter­sprach­lerin schon schwertue, mich beim Thema Schul­an­mel­dung, Schul­un­ter­su­chung, Fris­ten­ein­hal­tung etc. zurecht zu finden, wie schwer muss das wohl sein, wenn man weder die Sprache noch die dazu­ge­hö­rigen Rituale kennt?

Die Mobile Jugend­ar­beit Dresden-Süd e.V. hatte da eine Idee: Seit Sep­tember 2019 hat sie in den Räum­lich­keiten des Kin­der­treffs einen Frau­en­treff instal­liert. Dass ein so zartes Pflänz­chen bei uns den ersten Rang erklommen hat, lässt sie ahnen, wie es und begeis­tert hat.

Der Frau­en­treff bietet Frauen wöchent­lich Bera­tung, Schutz­raum, Aus­tausch und nied­rig­schwel­lige Mög­lich­keiten, Kon­takte zu knüpfen und zu spre­chen. Auch über Kriegs­er­fah­rungen. Gemein­sames Kochen steht ebenso auf dem Plan wie das Aus­füllen von For­mu­laren zur bes­seren Ori­en­tie­rung im deut­schen Behör­den­dschungel. Frauen unter­schied­li­chen Alters nehmen das Angebot an und werden bestärkt und ermu­tigt.

Dort zu arbeiten, wo die Sonne nur in schmalen Streifen scheint, und denen Mut und prak­ti­sche Hilfe zu geben, die einen schweren Weg hinter sich haben, das finden wir großer Ehren wert.

Und bevor ich nun die Akteure vom Treff im Hoch­haus nach vorn bitte, möchte ich mit Ihnen noch einen kleinen Moment inne­halten und bei einem Song Revue pas­sieren lassen, der das Leben im Plat­tenbau der 1990er Jahre sehr gut beschreibt. Sie hören Ronny Trett­mann „Grauer Beton.“

 

von Albrecht Pallas, MdL

Es ist mir eine große Ehre, die Lau­datio für unsere zweit­plat­zieren Preis­trä­ge­rinnen halten zu dürfen.

Preis­ver­lei­hungen haben das Ziel, einer­seits her­aus­ra­gende Leis­tungen zu wür­digen und ihnen ande­rer­seits öffent­liche Auf­merk­sam­keit in dem Maße zu ver­schaffen, in dem sie es ver­dienen und in dem diese bisher sel­tener der Fall war.

Wer sich mit der Qua­lität und der Quan­tität der durch die Preis­trä­ge­rinnen in den ver­gan­genen 29 Jahren für das Gemein­wohl erbrachten Leis­tungen beschäf­tigt, wird wie ich über­zeugt sein, dass die Ver­gabe des Preises dieses Ziel erreicht

und Sie die damit ver­bun­dene Aner­ken­nung mehr als ver­dienen.

Es ist beein­dru­ckend, in wie vielen ver­schie­denen Pro­jekten, mit wie viel fach­li­cher Exper­tise, Kon­ti­nuität, Soli­dität und mit welch großem Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein Sie tätig waren und sind.

Seit 29 Jahren tragen Sie Ver­ant­wor­tung für ins­ge­samt 205 große Pro­jekte für Frauen und Mäd­chen. An deren Finan­zie­rung betei­ligten sich Stif­tungen, die Stadt Dresden sowie staat­liche Insti­tu­tionen auf Landes‑, Bundes- und auf euro­päi­scher Ebene.

Jeder, der mit der Bean­tra­gung, der Abwick­lung und dem Nach­weis von För­der­mit­teln in diesen Grö­ßen­ord­nungen ver­traut ist, kann ermessen, wie viel Arbeit dahin­ter­steckt und mit wie viel Gewis­sen­haf­tig­keit und Akribie gear­beitet werden muss.

Gleich­wohl ori­en­tiert sich Ihr Angebot nicht an abs­trakten Vor­gaben, son­dern am all­tags­prak­ti­schen Bedarf der Frauen und Mäd­chen, für die Sie sich ver­ant­wort­lich fühlen.

Sie ver­gessen auch die allein erzie­henden Väter nicht, wenn sie sich um die allein erzie­henden Mütter sorgen.

Ihr Arbeits­feld reicht von Pro­jekten zur Erst­be­ra­tung für Exis­tenz­grün­de­rinnen, über die psycho-soziale Bera­tung für Arbeit­su­chende Frauen, die Girls’Day Aka­demie Dresden bis hin zum Pro­jekt „Ange­kommen – Mütter mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund arbeiten“.

Spä­tes­tens jetzt dürfte bei einigen hier der Gro­schen gefallen sein, um wen es sich han­delt.

Der zweite Platz beim dies­jäh­rigen Frau­en­preis der SPD-Land­tags­frak­tion geht an das Frau­en­för­der­werk Dresden. Es wird ver­treten von Fr. Dr. Lidija Pietzsch und ihren Kol­le­ginnen.

Sie haben sich für den dies­jäh­rigen Frau­en­preis beworben.

Aber wie eben schon ange­deutet: Die Liste Ihrer Refe­renzen ist lang.

Sie ent­hält die Adressen des zustän­digen Minis­te­riums, des Lan­des­frau­en­rates, der Inte­gra­ti­ons­be­auf­tragten der Stadt Dresden und andere mehr.

Gleich­wohl gründet das, was Sie tun, auf dem Prinzip unseres Grund­ge­setzes, in dem es heißt:

„Männer und Frauen sind gleich­be­rech­tigt. Der Staat för­dert die tat­säch­liche Durch­set­zung der Gleich­be­rech­ti­gung von Frauen und Män­nern und wirkt auf die Besei­ti­gung bestehender Nach­teile hin.“

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir leben in Zeiten, in denen wir nahezu täg­lich daran erin­nert werden, wie wesent­lich es ist, demo­kra­ti­sche Prin­zi­pien zu haben.

Ebenso genau wissen wir, dass diese Prin­zi­pien nichts nützen, wenn es an Men­schen man­gelt, die diesen mit Über­zeu­gung, mit Eifer und Freude, mit Kon­se­quenz und auch mit der nötigen Durch­set­zungs­kraft Gel­tung ver­schaffen.

So gesehen, ist die Arbeit des Frau­en­för­der­werkes Dresden seit 29 Jahren nicht nur preis­würdig und aus­ge­zeichnet, es ist unver­zichtbar, fun­da­mental und not­wendig. Das gilt glei­cher­maßen für viel Akteu­rinnen der Zivil­ge­sell­schaft.

Auch und gerade, weil unsere demo­kra­ti­schen Werte zu denen die Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen Frau und Mann gehört, gerade ange­griffen werden – von Ideo­logen der extremen Rechten.

Deren Vor­stel­lungen gilt unser ent­schie­dener Wider­spruch, bei dem alle Demo­kraten Geschlos­sen­heit beweisen müssen.

Weil wir unsere Frei­heit­lich­keit bewahren wollen und zugleich die Prin­zi­pien einer huma­nis­ti­schen und soli­da­ri­schen Gesell­schaft ver­tei­digen, brau­chen der Staat und die Gesell­schaft Ein­rich­tungen und Initia­tiven wie das Frau­en­för­der­werk Dresden. Denn Sie helfen tag­täg­lich prak­tisch dabei jene Ziele, die uns das Grund­ge­setz auf­zeigt, in die Tat umzu­setzen.

Nach meinem Ein­druck liegt der Erfolg Ihrer Arbeit unter anderem darin begründet, dass Sie Prin­zi­pi­en­fes­tig­keit, All­tags­taug­lich­keit und Mensch­lich­keit mit­ein­ander ver­binden.

Dafür sage ich Ihnen – im Namen der SPD-Frak­tion – aus­drück­lich: Danke!

Ich glaube, dass man von Ihnen – gerade in dieser Bezie­hung – vieles lernen kann.

Sie schreiben in einer kurzen Tätig­keits­dar­stel­lung unter der Über­schrift „Aus­blick“:

„So lange, bis die tat­säch­liche Gleich­stel­lung von Frauen und Män­nern auf dem Arbeits­markt und in der Gesell­schaft nicht erreicht wurde, solange Frauen und Mäd­chen – beson­ders Migran­tinnen, Allein­er­zie­hende, Arbeits­su­chende ältere und gering qua­li­fi­zierte Frauen – struk­tu­rell benach­tei­ligt sind, haben wir noch viel zu tun.

Für die Moti­va­tion unserer Arbeit brau­chen wir gesell­schaft­liche Aner­ken­nung und finan­zi­elle Unter­stüt­zung.“

Auch in diesem Sinne gra­tu­liere ich Ihnen im Namen der SPD-Frak­tion sehr herz­lich zum zuge­spro­chenen Frau­en­preis.

Bitte sehen Sie in unserer Frak­tion eine Part­nerin, die Ihre Arbeit wert­schätzt, Ihre Ziele teilt und, wenn immer mög­lich, ein offenes Ohr für Ihre Anliegen hat.

von Simone Lang, MdL

Nein heißt nein. Mein Körper, meine Ent­schei­dung. Mein Körper gehört mir.

Sätze, die sich in den letzten Jahren in unser Gedächtnis gebrannt haben. Weil sie leider die trau­rige Rea­lität wider­spie­geln. Denn das sexu­elle Selbst­be­stim­mungs­recht von Frauen und Män­nern wird oft ver­letzt. Frauen und Männer sind täg­lich Opfer von sexua­li­sierter Gewalt.

Und das ist explizit nicht ihr indi­vi­du­elles Pro­blem, son­dern das unserer Gesell­schaft. Wir müssen sie schützen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sexua­li­sierte Gewalt zu ihrem, zu unserem Alltag dazu gehört. Wir müssen auf­klären, ver­hin­dern und sen­si­bi­li­sieren.

Dieser Auf­gabe haben sich Antje Schulz und Diana Mehmel vom Trude e.V. in den letzten Jahren im Land­kreis Gör­litz gestellt. Ihr Verein, der Anfang 2019 gegründet wurde, enga­giert sich gegen sexua­li­sierte Gewalt und für sexu­elle Selbst­be­stim­mung.

Sie arbeiten mit Betrof­fenen, sie unter­stützen und beraten. Sie klären über das Thema auf und stärken Ver­eine, öffent­liche Ein­rich­tungen und Schulen dabei, dies zu tun. Sie bieten Prä­ven­ti­ons­an­ge­bote gegen sexu­ellen Miss­brauch an und gestalten sexu­al­päd­ago­gi­sche Pro­jekte in Schulen aus. Sie regen Schutz­kon­zepte an.

Diana Mehmel und Antje Schulz zeigen eine klare Hal­tung und ein her­aus­ra­gendes Enga­ge­ment für den Schutz von Opfern sexua­li­sierter Gewalt im All­ge­meinen und den Schutz von Kin­dern im Beson­deren. Die Grund­steine haben sie dafür bereits bei ihrem Verein Schlupf­winkel vor 5 Jahren gelegt, den sie im ver­gan­genen Jahr dann zum Verein Trude wei­ter­ent­wi­ckelt haben.

Trude bedeutet Kraft und Stärke. Vielen Dank, dass Sie durch Ihre Arbeit Mäd­chen, Jungen, Frauen und Män­nern Kraft und Stärke geben. Es ist mir daher eine Ehre, dass wir Ihnen am heu­tigen Tag den Frau­en­preis über­rei­chen können. Denn Frauen und Mäd­chen sind leider beson­ders häufig die Opfer von sexua­li­sierter Gewalt. Die Kam­pagne „Nein heißt Nein“ ist nicht ohne Grund Teil der Frau­en­be­we­gung. Einer der Wich­tigsten in den letzten Jahren, leider. Unfassbar, dass das Thema auch im Jahr 2020 noch so prä­sent ist und sein muss.

Bei dieser Aus­zeich­nung kann und sollte es jedoch nicht bleiben. Das unbe­zahlte Ehrenamt ist mitt­ler­weile zu einer tra­genden Säule unserer Gesell­schaft geworden. Ehren­amt­le­rinnen und Ehren­amtler nehmen Arbeit wahr, wo haupt­amt­liche Struk­turen fehlen. Das ist ehren­haft, das ver­dient unseren Respekt. Sie haben alle meine und unsere abso­lute Aner­ken­nung. Sie sind tra­gende und wich­tige Säulen unserer offenen und viel­fäl­tigen Gesell­schaft. Aber, dass darf eigent­lich nicht so sein.

Wenn Ehrenamt ein Ersatz für Hauptamt wird und dadurch wich­tige Auf­gaben ersetzt werden, die der Frei­staat nicht leistet, dann müssen die Poli­ti­ke­rinnen und Poli­tiker han­deln. Dann ist das nicht mehr der Sinn von Ehrenamt. Das müssen wir in Sachsen ändern.

In diesem Fall spre­chen wir vom Thema der sexua­li­sierten Gewalt, das im Land­kreis Gör­litz durch Ehren­amt­le­rinnen und Ehren­amtler sichtbar gemacht wird. Es gibt im Land­kreis kein finan­ziertes Angebot zur Prä­ven­tion und Inter­ven­tion sexua­li­sierter Gewalt an Kin­dern. Die ehren­amt­lich Tätigen  sind die Küm­me­rinnen vor Ort, weil keine finan­zi­ellen Mittel bereit­ge­stellt werden.

Das darf so nicht bleiben: Ich sehe diese Aus­zeich­nung daher als Auf­trag an uns: Gemeinsam mit Ihnen nach einer sicheren finan­zi­ellen Grund­lage für Ihren Verein zu suchen. Damit sie über die not­wen­digen Mittel für Ihre so wich­tige Arbeit end­lich ver­fügen. Sehen Sie diesen Preis daher nur als einen ersten Schritt der Zusam­men­ar­beit, die wir danach intensiv fort­setzen werden.

Denn Ehrenamt ist mehr Wert. Soziale Themen sind mehr Wert. Dafür kämpfe ich ins­be­son­dere als Kran­ken­schwester und Ehren­amt­lerin in sozialen Ver­einen. Denn ich weiß: Es ist das Herz, was unsere Gesell­schaft zusam­men­hält. Es sind die Men­schen im sozialen Bereich, die im Haupt- und Ehrenamt unsere Gesell­schaft am Laufen halten.

Danken möchte ich zum Schluss und an dieser Stelle daher auch der AWO. Das mache ich beson­ders gern, weil ich der AWO im Erz­ge­birge – meiner Heimat – vor­sitzen darf und weiß, was dort geleistet wird. Die AWO hat Antje Schulz und Diana Mehmel für die Aus­zeich­nung vor­ge­schlagen.

Ganz kon­kret gilt dabei unser Dank der AWO-Fach­stelle zur Prä­ven­tion sexua­li­sierter Gewalt an Mäd­chen und Jungen. Kurz Shu­kura. Shu­kura ist ara­bisch und heißt über­setzt „Du bist ein­zig­artig“ und steht seit mehr als 20 Jahren für die Rechte von Kin­dern auf Schutz vor Gewalt. Heute zeichnen wir einen Verein – auch stell­ver­tre­tend für alle Ver­eine aus – die diesen Leit­ge­danken im Herzen tragen und in Taten umwan­deln.

Danke und Glück Auf!

AUS­SCHREI­BUNG

Die Aus­schrei­bung richtet sich an Ver­eine, Orga­ni­sa­tionen und Ein­zel­per­sonen, die sich für eine Ver­bes­se­rung der Lebens­si­tua­tion von Mäd­chen und Frauen ein­setzen.
Der Frau­en­preis ist mit ins­ge­samt 1.000 Euro dotiert.

TEIL­NAHME

Vor­schläge und Bewer­bungen für den 22. Frau­en­preis der SPD-Frak­tion im Säch­si­schen Landtag richten Sie bitte mit einer Kurz­dar­stel­lung des Pro­jektes bis zum 14. Februar 2020 an:

SPD-Frak­tion im Säch­si­schen Landtag
Kenn­wort: Frau­en­preis 2020
Bern­hard-von-Lin­denau-Platz 1, 01067 Dresden
frauenpreis@spd-fraktion-sachsen.de

Preis­ver­lei­hung

Der 22. Frau­en­preis wird am 6. März 2020 ver­liehen.