Ver­lei­hung des 22. Frau­en­prei­ses Mut­spen­de­rin­nen und Netz­werk­ge­sprä­chen

von Hanka Kliese, MdL

Dinge können sich ändern – aber sie ändern sich nicht von selbst. Um Dinge zu ändern, braucht es selbst­be­wuss­te Frauen. Frauen, die andere ermu­ti­gen. Mut­spen­de­rin­nen und Hel­din­nen des All­tags.

Die Ver­lei­hung des Frau­en­prei­ses ermög­licht uns jedes Jahr einen beson­de­ren Blick in die Regio­nen, für den im poli­ti­schen Alltag wenig Zeit bleibt. Die inten­si­ve Befas­sung mit ein­zel­nen Pro­jek­ten tut auch uns Poli­ti­ke­rIn­nen gut. Wir sind dank­bar, durch die Arbeit der letz­ten Jahre so viele tolle Pro­jek­te aus ganz Sach­sen ken­nen­ge­lernt zu haben.

Manche Frauen sind sich gar nicht bewusst, wie sehr sie mit ihrer Arbeit das Leben von Mäd­chen und ande­ren Frauen prägen. Was ihnen selbst­ver­ständ­lich scheint, kann einen ganzen Lebens­weg ver­än­dern. Frauen nehmen in so vielen Rollen Ein­fluss auf andere – das kann in bestimm­ten Lebens­pha­sen ganz ent­schei­dend sein.

Die Bewer­bun­gen haben uns wie jedes Jahr sehr beein­druckt und her­aus­ge­for­dert. Jedes Jury-Mit­glied hatte (s)ein Lieb­lings­pro­jekt, das er oder sie aus indi­vi­du­el­len Grün­den beson­ders ins Herz geschlos­sen hat – doch nicht alle konn­ten unter die ersten drei Prä­mier­ten kommen. Wir danken aus­drück­lich allen, die unsere Welt im Klei­nen und viel­leicht auch im Großen täg­lich ein biss­chen besser machen.

Die Preis­trä­ge­rIn­nen hatte eine Jury aus Mit­ar­bei­te­rIn­nen und Abge­ord­ne­ten der Frak­ti­on aus zwölf Bewer­bun­gen und Vor­schlä­gen aus­ge­wählt. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächs­te Runde im kom­men­den Jahr!

Aus­schrei­bung des 22. Frau­en­prei­ses der SPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag. Dotiert mit ins­ge­samt 1.000 Euro.

 Sehr geehr­te Damen und Herren,

viele Frauen, die den Mund auf­ma­chen, kennen sie: die Belei­di­gun­gen, die Ver­su­che, sie wieder zum Schwei­gen zu brin­gen, die Dro­hun­gen, die ein Gefühl von Ohn­macht erzeu­gen sollen. Doch das gelingt nicht. Frauen erhe­ben ihre Stimme, ver­schaf­fen sich Gehör, machen auf ihre Belan­ge auf­merk­sam. Sie werden sicht­bar – auch für jene, die noch schwei­gen.

Um macht­voll zu sein, bedarf es jedoch keiner großen Gesten. Manch­mal reicht bereits der sanfte Zuspruch, um das Leben eines Mäd­chens zu ver­än­dern. Eine aus­ge­streck­te Hand, um eine andere Frau zu ermu­ti­gen. Eine geteil­te Erfah­rung, um zu zeigen, dass man in dunk­len Zeiten nicht allein ist. Laute Vor­bil­der sind wich­tig für die Gesell­schaft. Doch unter uns gibt es viele, die das Wort in klei­ne­rem Rahmen ergrei­fen und gleich­wohl die Macht haben, Leben zu ver­än­dern.

Die SPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag möchte zum 22. Mal genau diese Frauen ehren und ihnen Dank sagen. Ob sie in Initia­ti­ven, in Pro­jek­ten und Ver­ei­nen oder als Ein­zel­kämp­fe­rin wirken – wir möch­ten Sie und Ihre Arbeit ken­nen­ler­nen. Daher freuen wir uns auf Ihre Bewer­bung.

Hanka Kliese, MdL
Spre­che­rin für Gleich­stel­lungs­po­li­tik
der SPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag

1. Preis

Der erste Preis ging an den „Treff im Hoch­haus“ der Mobi­len Jugend­ar­beit Dres­den-Süd e.V. Der offene Treff ist seit 2005 feste Anlauf­stel­le für Kinder vor allem aus dem Wohn­ge­biet Buda­pes­ter Straße in Dres­den. In dem Gebiet leben viele Fami­li­en, die auf staat­li­che Unter­stüt­zung ange­wie­sen sind, und auch zuneh­mend Fami­li­en mit Flucht­er­fah­run­gen. Seit dem ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber gibt es in Koope­ra­ti­on mit dem Pro­jekt „Brü­cken bauen – Ein­stieg in frühe Bil­dung“ auch einen Treff für Frauen aus Flücht­lings­fa­mi­li­en.

www​.mob​sued​.de/​t​r​e​f​f​-​i​m​-​h​o​c​h​h​aus

2. Preis

Der zweite Preis ging an den Verein Frau­en­för­der­werk Dres­den. Den Verein gibt es seit 1991, seit 2005 bietet er ver­schie­de­ne Pro­jek­te zur Ver­bes­se­rung der Lebens­si­tua­ti­on von Migran­tin­nen an. Ein Schwer­punkt ist die Inte­gra­ti­on in den Arbeits­markt. Unter ande­rem wurden so 245 Frauen je ein Jahr lang ehren­amt­lich beschäf­tigt und gecoacht. So beglei­tet, unter­stüt­zen die Frauen schließ­lich Senio­rin­nen – über­wie­gend Migran­tin­nen – bei der Bewäl­ti­gung des All­tags. Der Verein betreu­te zudem spe­zi­ell Mütter mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund.

www​.frau​en​fo​er​de​werk​.de

3. Preis

Der dritte Preis ging an Antje Schulz und Diana Mehmel vom Trude e.V. in Gör­litz, die von der AWO Dres­den für eine Aus­zeich­nung vor­ge­schla­gen wurden. Die beiden Frauen hatten vor fünf Jahren Inter­ven­ti­ons- und Prä­ven­ti­ons­an­ge­bo­te zum Schutz vor sexua­li­sier­ter Gewalt an Kin­dern ins Leben geru­fen – damals noch im Rahmen ihrer Arbeit beim Schlupf­win­kel e.V. Vor einem Jahr grün­de­ten sie mit wei­te­ren Mit­strei­te­rin­nen den Verein „Trude e.V. – Verein gegen sexua­li­sier­te Gewalt und für sexu­el­le Selbst­be­stim­mung“. Beson­ders in Erin­ne­rung bleibt uns ein Appell der Prä­mier­ten: Wenn es keine haupt­amt­li­chen Struk­tu­ren für diese wich­ti­ge Arbeit mit trau­ma­ti­sier­ten Kin­dern gebe, so Diana Mehmel sinn­ge­mäß, würden dadurch Täter­struk­tu­ren gestützt und gestärkt

www​.trude​-im​-inter​net​.de

Preis­trä­ge­rin­nen 2019

Beson­ders hat uns gefreut, dass die Gewin­ne­rin­nen des Vor­jah­res unsere Ein­la­dung ange­nom­men haben, über ihr damals aus­ge­zeich­ne­tes Pro­jekt „Frauen.Wahl.Lokal Ober­lau­sitz“ zu berich­ten. Katrin Treff­korn und Diana Schie­back aus Baut­zen und Gör­litz erzähl­ten von Ver­net­zungs­tref­fen in Ostsach­sen, von Ernüch­te­run­gen nach den Ergeb­nis­sen bei der Kom­mu­nal­wahl 2019, als die Frau­en­quo­te in vielen Stadt- und Gemein­de­rä­ten noch­mals sank. Sie erzähl­ten aber auch von vielen ermu­ti­gen­den Erleb­nis­sen in Work­shops, bei Ideen­schmie­den oder am selbst gebas­tel­ten Frauen.Wahl.Mobil.

Frauen Wahl Lokal

von Hanka Kliese, MdL

Ich erin­ne­re mich noch gut an die große Freude in meiner Fami­lie, als meine Oma 1986 eine so genann­te Neu­bau­woh­nung zuge­wie­sen bekam. Sie musste nun keine Kohlen mehr schlep­pen, hatte eine Zen­tral­hei­zung und ein rich­ti­ges Bad. Was damals ein Luxus war, ist heute ent­we­der Zei­chen von urba­nem Chic wie in Berlin, von Beschei­den­heit oder eben einer wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on, die nicht ganz so rosig ist.

Plat­ten­bau­ten, die einst­mals große Errun­gen­schaft moder­nen Woh­nens, sind heute oft so genann­te Brenn­punk­te.  In ihnen ver­schmel­zen nicht nur, aber eben auch gleich­sam alle sozia­len Pro­blem­la­gen, von frühen Hilfen zur Erzie­hung bis zu Alters­ar­mut. Auch Fami­li­en mit Flucht­er­fah­rung wird dieser preis­wer­te Wohn­raum zuge­wie­sen. Oft sind diese mit Fragen des täg­li­chen Lebens allein gelas­sen. Wäh­rend ich mich als Mut­ter­sprach­le­rin schon schwer­tue, mich beim Thema Schul­an­mel­dung, Schul­un­ter­su­chung, Fris­ten­ein­hal­tung etc. zurecht zu finden, wie schwer muss das wohl sein, wenn man weder die Spra­che noch die dazu­ge­hö­ri­gen Ritua­le kennt?

Die Mobile Jugend­ar­beit Dres­den-Süd e.V. hatte da eine Idee: Seit Sep­tem­ber 2019 hat sie in den Räum­lich­kei­ten des Kin­der­treffs einen Frau­en­treff instal­liert. Dass ein so zartes Pflänz­chen bei uns den ersten Rang erklom­men hat, lässt sie ahnen, wie es und begeis­tert hat.

Der Frau­en­treff bietet Frauen wöchent­lich Bera­tung, Schutz­raum, Aus­tausch und nied­rig­schwel­li­ge Mög­lich­kei­ten, Kon­tak­te zu knüp­fen und zu spre­chen. Auch über Kriegs­er­fah­run­gen. Gemein­sa­mes Kochen steht ebenso auf dem Plan wie das Aus­fül­len von For­mu­la­ren zur bes­se­ren Ori­en­tie­rung im deut­schen Behör­den­dschun­gel. Frauen unter­schied­li­chen Alters nehmen das Ange­bot an und werden bestärkt und ermu­tigt.

Dort zu arbei­ten, wo die Sonne nur in schma­len Strei­fen scheint, und denen Mut und prak­ti­sche Hilfe zu geben, die einen schwe­ren Weg hinter sich haben, das finden wir großer Ehren wert.

Und bevor ich nun die Akteu­re vom Treff im Hoch­haus nach vorn bitte, möchte ich mit Ihnen noch einen klei­nen Moment inne­hal­ten und bei einem Song Revue pas­sie­ren lassen, der das Leben im Plat­ten­bau der 1990er Jahre sehr gut beschreibt. Sie hören Ronny Trett­mann „Grauer Beton.“

 

von Albrecht Pallas, MdL

Es ist mir eine große Ehre, die Lau­da­tio für unsere zweit­plat­zie­ren Preis­trä­ge­rin­nen halten zu dürfen.

Preis­ver­lei­hun­gen haben das Ziel, einer­seits her­aus­ra­gen­de Leis­tun­gen zu wür­di­gen und ihnen ande­rer­seits öffent­li­che Auf­merk­sam­keit in dem Maße zu ver­schaf­fen, in dem sie es ver­die­nen und in dem diese bisher sel­te­ner der Fall war.

Wer sich mit der Qua­li­tät und der Quan­ti­tät der durch die Preis­trä­ge­rin­nen in den ver­gan­ge­nen 29 Jahren für das Gemein­wohl erbrach­ten Leis­tun­gen beschäf­tigt, wird wie ich über­zeugt sein, dass die Ver­ga­be des Prei­ses dieses Ziel erreicht

und Sie die damit ver­bun­de­ne Aner­ken­nung mehr als ver­die­nen.

Es ist beein­dru­ckend, in wie vielen ver­schie­de­nen Pro­jek­ten, mit wie viel fach­li­cher Exper­ti­se, Kon­ti­nui­tät, Soli­di­tät und mit welch großem Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein Sie tätig waren und sind.

Seit 29 Jahren tragen Sie Ver­ant­wor­tung für ins­ge­samt 205 große Pro­jek­te für Frauen und Mäd­chen. An deren Finan­zie­rung betei­lig­ten sich Stif­tun­gen, die Stadt Dres­den sowie staat­li­che Insti­tu­tio­nen auf Landes‑, Bundes- und auf euro­päi­scher Ebene.

Jeder, der mit der Bean­tra­gung, der Abwick­lung und dem Nach­weis von För­der­mit­teln in diesen Grö­ßen­ord­nun­gen ver­traut ist, kann ermes­sen, wie viel Arbeit dahin­ter­steckt und mit wie viel Gewis­sen­haf­tig­keit und Akri­bie gear­bei­tet werden muss.

Gleich­wohl ori­en­tiert sich Ihr Ange­bot nicht an abs­trak­ten Vor­ga­ben, son­dern am all­tags­prak­ti­schen Bedarf der Frauen und Mäd­chen, für die Sie sich ver­ant­wort­lich fühlen.

Sie ver­ges­sen auch die allein erzie­hen­den Väter nicht, wenn sie sich um die allein erzie­hen­den Mütter sorgen.

Ihr Arbeits­feld reicht von Pro­jek­ten zur Erst­be­ra­tung für Exis­tenz­grün­de­rin­nen, über die psycho-sozia­le Bera­tung für Arbeit­su­chen­de Frauen, die Girls’Day Aka­de­mie Dres­den bis hin zum Pro­jekt „Ange­kom­men – Mütter mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund arbei­ten“.

Spä­tes­tens jetzt dürfte bei eini­gen hier der Gro­schen gefal­len sein, um wen es sich han­delt.

Der zweite Platz beim dies­jäh­ri­gen Frau­en­preis der SPD-Land­tags­frak­ti­on geht an das Frau­en­för­der­werk Dres­den. Es wird ver­tre­ten von Fr. Dr. Lidija Pietzsch und ihren Kol­le­gin­nen.

Sie haben sich für den dies­jäh­ri­gen Frau­en­preis bewor­ben.

Aber wie eben schon ange­deu­tet: Die Liste Ihrer Refe­ren­zen ist lang.

Sie ent­hält die Adres­sen des zustän­di­gen Minis­te­ri­ums, des Lan­des­frau­en­ra­tes, der Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten der Stadt Dres­den und andere mehr.

Gleich­wohl grün­det das, was Sie tun, auf dem Prin­zip unse­res Grund­ge­set­zes, in dem es heißt:

„Männer und Frauen sind gleich­be­rech­tigt. Der Staat för­dert die tat­säch­li­che Durch­set­zung der Gleich­be­rech­ti­gung von Frauen und Män­nern und wirkt auf die Besei­ti­gung bestehen­der Nach­tei­le hin.“

Sehr geehr­te Damen und Herren,

wir leben in Zeiten, in denen wir nahezu täg­lich daran erin­nert werden, wie wesent­lich es ist, demo­kra­ti­sche Prin­zi­pi­en zu haben.

Ebenso genau wissen wir, dass diese Prin­zi­pi­en nichts nützen, wenn es an Men­schen man­gelt, die diesen mit Über­zeu­gung, mit Eifer und Freude, mit Kon­se­quenz und auch mit der nöti­gen Durch­set­zungs­kraft Gel­tung ver­schaf­fen.

So gese­hen, ist die Arbeit des Frau­en­för­der­wer­kes Dres­den seit 29 Jahren nicht nur preis­wür­dig und aus­ge­zeich­net, es ist unver­zicht­bar, fun­da­men­tal und not­wen­dig. Das gilt glei­cher­ma­ßen für viel Akteu­rin­nen der Zivil­ge­sell­schaft.

Auch und gerade, weil unsere demo­kra­ti­schen Werte zu denen die Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen Frau und Mann gehört, gerade ange­grif­fen werden – von Ideo­lo­gen der extre­men Rech­ten.

Deren Vor­stel­lun­gen gilt unser ent­schie­de­ner Wider­spruch, bei dem alle Demo­kra­ten Geschlos­sen­heit bewei­sen müssen.

Weil wir unsere Frei­heit­lich­keit bewah­ren wollen und zugleich die Prin­zi­pi­en einer huma­nis­ti­schen und soli­da­ri­schen Gesell­schaft ver­tei­di­gen, brau­chen der Staat und die Gesell­schaft Ein­rich­tun­gen und Initia­ti­ven wie das Frau­en­för­der­werk Dres­den. Denn Sie helfen tag­täg­lich prak­tisch dabei jene Ziele, die uns das Grund­ge­setz auf­zeigt, in die Tat umzu­set­zen.

Nach meinem Ein­druck liegt der Erfolg Ihrer Arbeit unter ande­rem darin begrün­det, dass Sie Prin­zi­pi­en­fes­tig­keit, All­tags­taug­lich­keit und Mensch­lich­keit mit­ein­an­der ver­bin­den.

Dafür sage ich Ihnen – im Namen der SPD-Frak­ti­on – aus­drück­lich: Danke!

Ich glaube, dass man von Ihnen – gerade in dieser Bezie­hung – vieles lernen kann.

Sie schrei­ben in einer kurzen Tätig­keits­dar­stel­lung unter der Über­schrift „Aus­blick“:

„So lange, bis die tat­säch­li­che Gleich­stel­lung von Frauen und Män­nern auf dem Arbeits­markt und in der Gesell­schaft nicht erreicht wurde, solan­ge Frauen und Mäd­chen – beson­ders Migran­tin­nen, Allein­er­zie­hen­de, Arbeits­su­chen­de ältere und gering qua­li­fi­zier­te Frauen – struk­tu­rell benach­tei­ligt sind, haben wir noch viel zu tun.

Für die Moti­va­ti­on unse­rer Arbeit brau­chen wir gesell­schaft­li­che Aner­ken­nung und finan­zi­el­le Unter­stüt­zung.“

Auch in diesem Sinne gra­tu­lie­re ich Ihnen im Namen der SPD-Frak­ti­on sehr herz­lich zum zuge­spro­che­nen Frau­en­preis.

Bitte sehen Sie in unse­rer Frak­ti­on eine Part­ne­rin, die Ihre Arbeit wert­schätzt, Ihre Ziele teilt und, wenn immer mög­lich, ein offe­nes Ohr für Ihre Anlie­gen hat.

von Simone Lang, MdL

Nein heißt nein. Mein Körper, meine Ent­schei­dung. Mein Körper gehört mir.

Sätze, die sich in den letz­ten Jahren in unser Gedächt­nis gebrannt haben. Weil sie leider die trau­ri­ge Rea­li­tät wider­spie­geln. Denn das sexu­el­le Selbst­be­stim­mungs­recht von Frauen und Män­nern wird oft ver­letzt. Frauen und Männer sind täg­lich Opfer von sexua­li­sier­ter Gewalt.

Und das ist expli­zit nicht ihr indi­vi­du­el­les Pro­blem, son­dern das unse­rer Gesell­schaft. Wir müssen sie schüt­zen. Wir dürfen nicht zulas­sen, dass sexua­li­sier­te Gewalt zu ihrem, zu unse­rem Alltag dazu gehört. Wir müssen auf­klä­ren, ver­hin­dern und sen­si­bi­li­sie­ren.

Dieser Auf­ga­be haben sich Antje Schulz und Diana Mehmel vom Trude e.V. in den letz­ten Jahren im Land­kreis Gör­litz gestellt. Ihr Verein, der Anfang 2019 gegrün­det wurde, enga­giert sich gegen sexua­li­sier­te Gewalt und für sexu­el­le Selbst­be­stim­mung.

Sie arbei­ten mit Betrof­fe­nen, sie unter­stüt­zen und bera­ten. Sie klären über das Thema auf und stär­ken Ver­ei­ne, öffent­li­che Ein­rich­tun­gen und Schu­len dabei, dies zu tun. Sie bieten Prä­ven­ti­ons­an­ge­bo­te gegen sexu­el­len Miss­brauch an und gestal­ten sexu­al­päd­ago­gi­sche Pro­jek­te in Schu­len aus. Sie regen Schutz­kon­zep­te an.

Diana Mehmel und Antje Schulz zeigen eine klare Hal­tung und ein her­aus­ra­gen­des Enga­ge­ment für den Schutz von Opfern sexua­li­sier­ter Gewalt im All­ge­mei­nen und den Schutz von Kin­dern im Beson­de­ren. Die Grund­stei­ne haben sie dafür bereits bei ihrem Verein Schlupf­win­kel vor 5 Jahren gelegt, den sie im ver­gan­ge­nen Jahr dann zum Verein Trude wei­ter­ent­wi­ckelt haben.

Trude bedeu­tet Kraft und Stärke. Vielen Dank, dass Sie durch Ihre Arbeit Mäd­chen, Jungen, Frauen und Män­nern Kraft und Stärke geben. Es ist mir daher eine Ehre, dass wir Ihnen am heu­ti­gen Tag den Frau­en­preis über­rei­chen können. Denn Frauen und Mäd­chen sind leider beson­ders häufig die Opfer von sexua­li­sier­ter Gewalt. Die Kam­pa­gne „Nein heißt Nein“ ist nicht ohne Grund Teil der Frau­en­be­we­gung. Einer der Wich­tigs­ten in den letz­ten Jahren, leider. Unfass­bar, dass das Thema auch im Jahr 2020 noch so prä­sent ist und sein muss.

Bei dieser Aus­zeich­nung kann und sollte es jedoch nicht blei­ben. Das unbe­zahl­te Ehren­amt ist mitt­ler­wei­le zu einer tra­gen­den Säule unse­rer Gesell­schaft gewor­den. Ehren­amt­le­rin­nen und Ehren­amt­ler nehmen Arbeit wahr, wo haupt­amt­li­che Struk­tu­ren fehlen. Das ist ehren­haft, das ver­dient unse­ren Respekt. Sie haben alle meine und unsere abso­lu­te Aner­ken­nung. Sie sind tra­gen­de und wich­ti­ge Säulen unse­rer offe­nen und viel­fäl­ti­gen Gesell­schaft. Aber, dass darf eigent­lich nicht so sein.

Wenn Ehren­amt ein Ersatz für Haupt­amt wird und dadurch wich­ti­ge Auf­ga­ben ersetzt werden, die der Frei­staat nicht leis­tet, dann müssen die Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker han­deln. Dann ist das nicht mehr der Sinn von Ehren­amt. Das müssen wir in Sach­sen ändern.

In diesem Fall spre­chen wir vom Thema der sexua­li­sier­ten Gewalt, das im Land­kreis Gör­litz durch Ehren­amt­le­rin­nen und Ehren­amt­ler sicht­bar gemacht wird. Es gibt im Land­kreis kein finan­zier­tes Ange­bot zur Prä­ven­ti­on und Inter­ven­ti­on sexua­li­sier­ter Gewalt an Kin­dern. Die ehren­amt­lich Täti­gen  sind die Küm­me­rin­nen vor Ort, weil keine finan­zi­el­len Mittel bereit­ge­stellt werden.

Das darf so nicht blei­ben: Ich sehe diese Aus­zeich­nung daher als Auf­trag an uns: Gemein­sam mit Ihnen nach einer siche­ren finan­zi­el­len Grund­la­ge für Ihren Verein zu suchen. Damit sie über die not­wen­di­gen Mittel für Ihre so wich­ti­ge Arbeit end­lich ver­fü­gen. Sehen Sie diesen Preis daher nur als einen ersten Schritt der Zusam­men­ar­beit, die wir danach inten­siv fort­set­zen werden.

Denn Ehren­amt ist mehr Wert. Sozia­le Themen sind mehr Wert. Dafür kämpfe ich ins­be­son­de­re als Kran­ken­schwes­ter und Ehren­amt­le­rin in sozia­len Ver­ei­nen. Denn ich weiß: Es ist das Herz, was unsere Gesell­schaft zusam­men­hält. Es sind die Men­schen im sozia­len Bereich, die im Haupt- und Ehren­amt unsere Gesell­schaft am Laufen halten.

Danken möchte ich zum Schluss und an dieser Stelle daher auch der AWO. Das mache ich beson­ders gern, weil ich der AWO im Erz­ge­bir­ge – meiner Heimat – vor­sit­zen darf und weiß, was dort geleis­tet wird. Die AWO hat Antje Schulz und Diana Mehmel für die Aus­zeich­nung vor­ge­schla­gen.

Ganz kon­kret gilt dabei unser Dank der AWO-Fach­stel­le zur Prä­ven­ti­on sexua­li­sier­ter Gewalt an Mäd­chen und Jungen. Kurz Shu­ku­ra. Shu­ku­ra ist ara­bisch und heißt über­setzt „Du bist ein­zig­ar­tig“ und steht seit mehr als 20 Jahren für die Rechte von Kin­dern auf Schutz vor Gewalt. Heute zeich­nen wir einen Verein – auch stell­ver­tre­tend für alle Ver­ei­ne aus – die diesen Leit­ge­dan­ken im Herzen tragen und in Taten umwan­deln.

Danke und Glück Auf!

AUS­SCHREI­BUNG

Die Aus­schrei­bung rich­tet sich an Ver­ei­ne, Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­zel­per­so­nen, die sich für eine Ver­bes­se­rung der Lebens­si­tua­ti­on von Mäd­chen und Frauen ein­set­zen.
Der Frau­en­preis ist mit ins­ge­samt 1.000 Euro dotiert.

TEIL­NAH­ME

Vor­schlä­ge und Bewer­bun­gen für den 22. Frau­en­preis der SPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag rich­ten Sie bitte mit einer Kurz­dar­stel­lung des Pro­jek­tes bis zum 14. Febru­ar 2020 an:

SPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag
Kenn­wort: Frau­en­preis 2020
Bern­hard-von-Lin­denau-Platz 1, 01067 Dres­den
frauenpreis@spd-fraktion-sachsen.de

Preis­ver­lei­hung

Der 22. Frau­en­preis wird am 6. März 2020 ver­lie­hen.