Heute hat die Bun­des­mi­nis­terin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Fran­ziska Giffey (SPD), ein neues Bun­des­pro­gramm für schutz­su­chende Frauen vor­ge­stellt. Der Bund wird Frau­en­häuser und Fach­be­ra­tungs­stellen im kom­menden Jahr erst­mals mit sechs Mil­lionen Euro und 2020 mit 35 Mil­lionen Euro unter­stützen.

„Wenn Frauen geschlagen werden, sexuell oder psy­chisch miss­braucht werden, bringt sie und ihre Kinder das oft in äußerst belas­tende Situa­tionen. Einer bun­des­weiten, reprä­sen­ta­tiven Studie zufolge hat jede vierte Frau in Deutsch­land schon einmal sexu­elle oder kör­per­liche Gewalt durch den Ehe­mann bzw. Partner erlebt. Diese Zahl ist seit Jahren auf einem gleich blei­bend hohen Niveau“, so Iris Rae­ther-Lor­dieck,  Frak­tions-Spre­cherin für Gleich­stel­lung. Aller­dings suche nur ein Bruch­teil der betrof­fenen Frauen Hilfe suchen – was auch daran liege, dass deutsch­land­weit der­zeit rund 14.000 Plätze in Schutz­häu­sern fehlen würden.

„Betrof­fene Frauen und Kinder im Frei­staat müssen besser geschützt werden“, so Rae­ther-Lor­dieck weiter. „Das ist auch in den Pla­nungen für den Dop­pel­haus­halt 2019/20 berück­sich­tigt worden. In den kom­menden beiden Jahren sollen 3,55 Mil­lionen Euro dafür zur Ver­fü­gung gestellt werden. Das sind 750 000 Euro mehr, als es der Ent­wurf der Staats­re­gie­rung vorsah. Mit diesem Geld können Lücken im bestehenden Netz gefüllt werden.“

„Zwei der zehn säch­si­schen Land­kreise haben keine ein­zige Schutz­ein­rich­tung: der Erz­ge­birgs­kreis und Nord­sachsen. Hier muss sich drin­gend etwas ändern. Auch wenn etwa der Landrat im Erz­ge­birge meint, bei laut Polizei nur 22 betrof­fenen Frauen sei kein Frau­en­haus not­wendig. Das muss in den Ohren der Betrof­fenen wie Hohn klingen“, so Rae­ther-Lor­dieck. „Zudem wissen wir aus sämt­li­chen Stu­dien, dass die Dun­kel­ziffer weitaus höher liegt. Einer aktu­ellen Schät­zung des säch­si­schen Lan­des­frau­en­rats zufolge wären allein im Erz­ge­birgs­kreis 400 Plätze für schutz­su­chende Frauen nötig“, so Rae­ther-Lor­dieck. „Mit dem För­der­geld von Bund und Land ist es gut mög­lich, Fau­en­häuser zu schaffen oder Schutz­woh­nungen ein­zu­richten.“

Hin­ter­grund:

08000 116 016 – das ist die kos­ten­lose Tele­fon­nummer des Hil­fe­te­le­fons Gewalt gegen Frauen. Es ist zu jeder Zeit und in ver­schie­denen Spra­chen erreichbar. Auch männ­liche Opfer von part­ner­schaft­li­cher Gewalt können sich dort melden und werden wei­ter­ver­mit­telt.

Aktuell gibt es in Deutsch­land 350 Frau­en­häuser und 600 Fach­be­ra­tungs­stellen. Diese unter­stützen jähr­lich 30.000 Frauen. Der Bedarf wird um ein Viel­fa­ches höher ein­ge­schätzt. 2017 sind fast 140.000 Frauen und Männer von ihrem Partner oder Ex-Partner miss­han­delt oder bedroht worden.

Der Lan­des­frau­enrat Sachsen e.V. sieht der­zeit beson­ders im Erz­ge­birgs­kreis akuten Hand­lungs­be­darf. Des­halb hat der Rat eine Online­pe­ti­tion für ein Frau­en­schutz­haus im Erz­ge­birgs­kreis gestartet. Die mehr als 1.600 Online-Unter­schriften werden am Freitag, dem 23. November, um 13.30 Uhr auf dem Markt in Aue dem Land­ratsamt über­reicht. Landrat Frank Vogel will diese nicht per­sön­lich ent­ge­gen­nehmen. Anlass ist die Säch­si­sche Frau­en­woche, die in diesem Jahr vom 16. bis 26. November unter diesem Motto steht: „Häus­liche Gewalt und sexua­li­sierte Gewalt an Frauen und Mäd­chen“.