+++ Nach 30 Jahren wird in Sach­sen Schul­frie­den her­ge­stellt +++ Gemein­schafts­schu­le erhält Stamm­platz im Schul­ge­setz +++

Sabine Frie­del, bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag, erklärt im Vor­feld der abschlie­ßen­den Bera­tung des „Geset­zes zur Ein­füh­rung der Gemein­schafts­schu­le im Frei­staat Sach­sen” (Drs. 7/3000) sowie zum heute ein­ge­brach­ten Ent­schlie­ßungs­an­trag der Koali­ti­ons­frak­tio­nen (Drs. 7/3188):

Am kom­men­den Mitt­woch wird der Säch­si­sche Land­tag das Gesetz zur Ein­füh­rung der Gemein­schafts­schu­le im Frei­staat Sach­sen ver­ab­schie­den. „Damit wird künf­tig auch in Sach­sen länger gemein­sam gelernt. Die Ent­schei­dung über den Schul­ab­schluss und damit über die Frage ‚Lehre oder Stu­di­um’ muss nicht mehr nach der vier­ten Klasse fallen. Das war der Wunsch zahl­rei­cher Bür­ge­rin­nen und Bürger – mehr als 50.000 Men­schen haben den Volks­an­trag ‚Län­ge­res gemein­sa­mes Lernen in Sach­sen‘ unter­stützt“, so SPD-Bil­dungs­ex­per­tin Sabine Frie­del.

Dass der Volks­an­trag nicht unver­än­dert über­nom­men wird, wertet Frie­del als Erfor­der­nis guter poli­ti­scher Kultur. „In einer Frage, über die in unse­rem Land jahr­zehn­te­lang erbit­tert gestrit­ten wurde, braucht es am Ende einen poli­ti­schen Kom­pro­miss. Die Koali­ti­on greift den Volks­an­trag auf. Und ja, die Koali­ti­on setzt engere Gren­zen als der Volks­an­trag. Bei Man­chen bestan­den eben Sorgen mit Blick auf die Qua­li­tät oder die Stand­ort­si­cher­heit ein­zel­ner Schu­len. Diese Sorgen können wir mit den Ände­run­gen ent­kräf­ten. Zwei Dinge werden damit sicher­ge­stellt: 1. Das Abitur einer Gemein­schafts­schu­le ist genau­so viel wert wie das eines Gym­na­si­ums. 2. Das län­ge­re gemein­sa­me Lernen sorgt gerade im länd­li­chen Raum für ein dich­tes Schul­netz.“

Die geplan­te Umset­zung des Volks­an­trags sei der vor­letz­te Schritt auf einem langen Weg, betont Frie­del. „Der letzte Schritt besteht natür­lich darin, ganz prak­tisch Gemein­schafts­schu­len zu grün­den. Und auch im länd­li­chen Raum mit der Ober­schu­le+ das län­ge­re gemein­sa­me Lernen umzu­set­zen. Wir wissen bereits von einer Reihe Schu­len, die sich auf den Weg machen wollen.“ Des­halb sei eine Unter­stüt­zung durch das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um nötig, damit die Ideen umge­setzt werden können. „Mit unse­rem Ent­schlie­ßungs­an­trag stel­len wir sicher, dass inter­es­sier­te Lehr­kräf­te Fort­bil­dun­gen erhal­ten, die Eltern und Schü­ler in Grün­dungs­pro­zes­se ein­be­zo­gen und die Schu­len fach­lich beglei­tet werden.”

Frie­del erin­nert aber auch daran, dass eine gute Schule nicht allein eine Frage der Schul­art ist. „Es ist vor allem eine Frage der Schul­kul­tur und der päd­ago­gi­schen Qua­li­tät. Auch des­halb ist es sinn­voll, den jahr­zehn­te­lan­gen Streit um die Gemein­schafts­schu­le in Sach­sen nun end­lich zu been­den und einen Schul­frie­den her­zu­stel­len. So können wir uns auf die not­wen­di­gen Ver­än­de­run­gen bei den Inhal­ten von Schule kon­zen­trie­ren“, so Frie­del.

„Der Weg bis hier­her war lang genug. Schon 1990 plä­dier­te auch die SPD für das län­ge­re gemein­sa­me Lernen und gegen die Über­nah­me des west­deut­schen geglie­der­ten Schul­sys­tems. Nach der Land­tags­wahl 2004 konn­ten wir erst­mals neun Gemein­schafts­schu­len ein­füh­ren. Die erfolg­rei­chen Modell­pro­jek­te wurden jedoch fünf Jahre später von der CDU/FDP-Regie­rung wieder abge­schafft. Mit dem erneu­ten Regie­rungs­ein­tritt der SPD 2014 wurden im Schul­ge­setz zwei Gemein­schafts­schu­len ver­an­kert und ins­ge­samt die Durch­läs­sig­keit im Schul­sys­tem erhöht. Und nun erhält die Schul­art Gemein­schafts­schu­le end­lich einen Stamm­platz im Schul­ge­setz.“