Georg Gradnauer – Erster Sächsischer Ministerpräsident

16. November 2022

Am heu­tigen Geburtstag des ersten säch­si­schen Minis­ter­prä­si­denten besuchte unser Abge­ord­neter Frank Richter Klein­machnow, den Ort der letzten Lebens­mo­nate von Georg Grad­nauer (1866 – 1946).

Hier blieb den Bür­gern der Name Grad­nauer im Gedächtnis. Die Gemein­de­ver­tre­tung Klein­machnow benannte bereits 1950 eine Straße nach ihm und heute mahnt der Stol­per­stein, den Frank Richter besucht.

Doch wer war Georg Grad­nauer eigent­lich? Grad­nauer wurde am 16. November 1866 in Mag­de­burg geboren. Er war Sohn eines jüdi­schen Kauf­manns. 1890 trat er in die SPD ein und kam später nach Sachsen. Von 1919 bis 1920 war er erster Säch­si­scher Minis­ter­prä­si­dent und führte den Frei­staat nach dem Zusam­men­bruch des Kai­ser­rei­ches in die Demo­kratie. Er wird zu Recht als „Vater der Demo­kratie“ Sach­sens geehrt.

Er kämpfte für eine soziale Demo­kratie in der die Men­schen und eine soziale Gesell­schaft im Zen­trum stehen, wofür er oft von der poli­ti­schen Rechten scharf kri­ti­siert wurde. Grad­nauer ist so auch der „Vater der sozialen Markt­wirt­schaft“ und der Idee einer sozialen säch­si­schen Demo­kratie. Außderdem setzte er sich für den Schutz der Pres­se­frei­heit ein.

Ab 1921 war Georg Grad­nauer für kurze Zeit Reichs­in­nen­mi­nister und bis 1932 im Reichsrat sowie Reichs­tags­ab­ge­ord­neter. Da er Jude und poli­ti­scher Gegner der NSDAP war, war er im Dritten Reich gleich mehr­fa­cher Ver­fol­gung aus­ge­setzt. Des­wegen wurde er 1944 in das Kon­zen­tra­ti­ons­lager The­re­si­en­stadt depor­tiert, das er nur knapp über­lebte. Er starb 1946 zurück­ge­zogen in Berlin.

Im Rahmen der Jah­res­tage “1.700 Jahre jüdi­sches Leben in Sachsen” wird am 18. November, seinem Todestag, ein zen­traler Raum in der Staats­kanzlei nach dem „Vater der Demo­kratie und einer sozialen Wirt­schafts­ord­nung Sach­sens” nach ihm benannt.

Georg Grad­nauer

Frank Richter mit dem Bür­ger­meister von Klein­machnow, Michael Gru­bert (SPD).
Vor der Villa Wen­den­marken 108, letzter Wohnort von Georg Grad­nauer.

Georg Grad­nauer war nicht nur erster säch­si­scher Minis­ter­prä­si­dent, son­dern eine Per­sön­lich­keit, die es in der dama­ligen Min­der­heits­re­gie­rung in Sachsen schaffte, als Föde­ra­list Brü­cken­bauer ins libe­rale und kon­ser­va­tive Bür­gertum zu sein. Für ihn war Par­la­men­ta­ri­sche Demo­kratie keine „bür­ger­liche Demo­kratie“, wie Dif­fa­mie­rungen von links und rechts immer wieder behaup­teten, son­dern eine „moderne Demo­kratie“ auf der Grund­lage eines all­ge­meinen und glei­chen Wahl­rechts, in der Kom­pro­misse und Mehr­heits­be­schlüsse not­wendig sind. Das hohe Gut der Pres­se­frei­heit hielt der lang­jäh­rige Redak­teur dabei für beson­ders schüt­zens­wert.

Frank Richter