Auf das heu­ti­ge Inter­view von Kul­tus­mi­nis­ter a.D. Hau­bitz in der Leip­zi­ger Volks­zei­tung und die darin erfolg­ten Erwäh­nun­gen der SPD hat die bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Frak­ti­on, Sabine Frie­del, mit einem Offe­nen Brief an Herrn Hau­bitz geant­wor­tet:

 

Sehr geehr­ter Herr Staats­mi­nis­ter a.D., lieber Herr Hau­bitz,

Sie haben heute ein Inter­view in der Leip­zi­ger Volks­zei­tung gege­ben, das an vielen Stel­len
Wirbel ver­ur­sacht. Ihrer Rolle als Quer­den­ker blei­ben Sie treu – das ist durch­aus respek­ta­bel.

Weil Sie die SPD darin mehr­fach anspre­chen, möchte ich Ihnen gern einige meiner Gedan­ken mit­tei­len. Sie sagen, von der SPD werde „massiv Öl ins Feuer gegos­sen. Es werden Thesen und Ver­spre­chun­gen unter die Lehrer gewor­fen, die reiner Popu­lis­mus sind und jeden Rea­li­täts­sinn ver­mis­sen lassen. Die For­de­run­gen sind von nichts unter­setzt – aber mit ihnen werden bei den Kol­le­gen Hoff­nun­gen geschürt und Erwar­tungs­hal­tun­gen pro­du­ziert.“

Ich habe den Ein­druck, dass Sie unsere Posi­tio­nen, unsere Ant­wor­ten auf die vielen Briefe von Lehr­kräf­ten auch Ihrer Schule, meine Stel­lung­nah­men auf Podi­ums­dis­kus­sio­nen und in der Presse nicht kennen. Denn mein Anlie­gen war und ist es immer, deut­lich zu machen, dass aus tarif­recht­li­chen Grün­den eine Schlie­ßung der Lücke zwi­schen beam­te­ten und ange­stell­ten Lehr­kräf­ten nicht mög­lich ist. Ich bin froh, dass inzwi­schen auch Sie das so sehen. In Ihrer akti­ven Zeit als Minis­ter klang das anders. Da schrie­ben Sie an alle Schu­len:

„Um keine Gerech­tig­keits­lü­cke auf­zu­tun und den Schul­frie­den in den Leh­rer­zim­mern zu erhal­ten, möchte ich nicht nur die neuen Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber auf Wunsch ver­be­am­ten, son­dern auch Leh­re­rin­nen und Lehrer, die bereits im säch­si­schen Schul­dienst tätig sind. Da wir nur bis zum 46. Lebens­jahr ver­be­am­ten können, werbe ich dafür, dass es für die älte­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die das säch­si­sche Schul­sys­tem in den letz­ten Jahr­zehn­ten getra­gen und zum Erfolg geführt haben, einen Aus­gleich gibt. Diese Leh­re­rin­nen und Lehrer haben über Jahr­zehn­te eine sehr gute Arbeit geleis­tet. Die neue Leh­rer­ge­nera­ti­on kann davon pro­fi­tie­ren und auf deren Erfah­run­gen auf­bau­en. Es ist mir wich­tig, dass diese Arbeit beson­ders wert­ge­schätzt wird.“

Und im Inter­view mit der glei­chen Zei­tung sagten Sie am 15. Novem­ber 2017:

„Für die älte­ren Kol­le­gen sind wir dabei, „Wert­schät­zen­de Ele­men­te“ auf­zu­bau­en. Dabei geht es unter ande­rem um Zula­gen. Wenn man einen Kol­le­gen vor 25 Jahren ver­be­am­tet hätte, dann bekäme er heute ein bestimm­tes Netto. Ich ver­su­che in Ver­hand­lun­gen mit dem Finanz­mi­nis­ter, dieses Netto durch Zula­gen aus­zu­glei­chen, um die Unge­rech­tig­keit im Leh­rer­zim­mer zu bannen.“

Und dann werden Sie in diesem Inter­view eine wich­ti­ge Frage gefragt:

„Was pas­siert, wenn Sie Hoff­nun­gen bei den Leh­rern wecken, die Sie nicht erfül­len können?“

„Das wäre das Schlimms­te, was pas­sie­ren könnte.“

Genau das ist pas­siert, lieber Herr Hau­bitz. Sie haben mit Ihrem Schul­lei­ter­brief und mit Ihren öffent­li­chen Aus­sa­gen genau die Erwar­tun­gen geweckt, die Sie heute, nur wenige Monate später, als „Nim­mer­satt-Men­ta­li­tät“ kri­ti­sie­ren. In Ihrem Schul­lei­ter­brief vom Novem­ber 2017 spra­chen Sie noch von Wert­schät­zung für die Lehr­kräf­te. Heute, wenige Monate später, sagen Sie, die Lehrer müss­ten „zur Besin­nung kommen“.

Lieber Herr Hau­bitz, es gäbe zu Ihrem Inter­view viel Inhalt­li­ches anzu­mer­ken bzw. rich­tig zu stel­len (so geht es im Hand­lungs­pro­gramm bei­spiels­wei­se um 20 Pro­zent Beför­de­rungs­stel­len, nicht um 20 Pro­zent Leis­tungs­prä­mi­en) – doch all das ist aus meiner Sicht nicht so wich­tig.

Schade finde ich, dass Ihr Inter­view wenig dazu bei­trägt, die Debat­te zu ver­sach­li­chen. Ich bin sehr froh, dass wir mit dem Hand­lungs­pro­gramm die glei­che Bezah­lung aller Lehr­kräf­te in Sach­sen hin­be­kom­men. Ich bin zuver­sicht­lich, dass wir eine gerech­te Lösung beim Thema Zula­gen finden. Und ich glaube, dass die vielen zusätz­li­chen Punkte, die wir in das Hand­lungs­pro­gramm hinein genom­men haben, für die kom­men­den Jahre eine klare Per­spek­ti­ve für unsere Schu­len eröff­nen.

Sehr geehr­ter Herr Staats­mi­nis­ter a.D., lieber Herr Hau­bitz, ich war in den letz­ten Wochen an vielen Schu­len ein­ge­la­den und habe mit den Kol­le­gi­en sehr inter­es­san­te und kon­struk­ti­ve Dis­kus­sio­nen geführt. Gern stehe ich auch Ihrer Schule für ein sol­ches Gespräch zur Ver­fü­gung. Sie wissen ja, wie Sie mich errei­chen können.

Freund­li­che Grüße

Sabine Frie­del
Bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag