Der Präsident des Sächsischen Handwerkstags hat am Montag die Pläne für einen bundesweit einheitlichen Azubi-Mindestlohn kritisiert. „Es mutet schon weltfremd an, wenn in Zeiten von Fachkräftemangel Handwerkskammern  junge Menschen mit Niedriglöhnen für eine Ausbildung gewinnen wollen“, kommentierte Arbeitsmarkt-Experte Henning Homann den Vorstoß.  „Damit lockt man heutzutage niemanden mehr hinter dem Ofen hervor – weder einen angehenden Lehrling noch einen Facharbeiter.“

„Und es ist in höchstem Maße unseriös, mit Blick auf eine bundesweit einheitliche Regelung von einer Abwanderungswelle oder einer Ost-West-Konfrontation auf dem Berufsbildungsmarkt zu warnen“, so Homann weiter. „Genau das Gegenteil ist der Fall. Ein Azubi-Mindestlohn schafft eine finanzielle Grundsicherung für junge Menschen in der Ausbildung.  Das ist gerecht und eine Motivation, in der Heimat zu bleiben.  Eine Mindestvergütung würde zudem die Attraktivität der Ausbildung steigern. Das käme vor allem Branchen zugute, die derzeit mit sehr hohen Abbrecherquoten zu kämpfen haben.“

Hintergrund: Laut dem am Montag veröffentlichten Herbst-Konjunkturbericht 2018 sind Sachsens Handwerker konjunkturell weiterhin in bester Verfassung. Nach einer Übersicht der Handwerkskammer zu Leipzig bewegt sich die Ausbildungsvergütung (Stand August 2018) im ersten Lehrjahr zwischen 200 Euro bei Friseuren und 853 Euro bei gewerblichen Druckern.