Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November erklärt die gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Sprecherin, Sophie Koch:
„An Schutz darf nicht gespart werden. Es braucht sichere Plätze und eine starke, gut ausgestattete Beratung durch Sozialarbeitende. Wir brauchen mehr Kapazitäten und das Landesausführungsgesetz, das verbindliche Standards, verlässliche Finanzierung und ausreichend Personal festschreibt. Nur so kann der individuelle Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung ab 2032 tatsächlich eingelöst werden.“
„Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz vor häuslicher und sexualisierter Gewalt. Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen macht deutlich, wie dringend wir in Sachsen handeln müssen. Die Fallzahlen sind alarmierend hoch, es fehlen Schutzplätze, und manche Betroffene finden nicht sofort eine sichere Zuflucht. Das darf nicht sein. Wer Hilfe sucht, muss sie auch bekommen.“
Gewalt gegen Frauen: Die Zahlen zeigen eine alarmierende Realität
Gewalt gegen Frauen ist kein Randthema. Weltweit erlebt etwa jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt. Auch in Sachsen ist das Ausmaß groß, und die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt eine deutliche Verschärfung der Lage.
Sachsen: Gewalt nimmt seit Jahren zu
Die Zahl der polizeilich erfassten Fälle häuslicher Gewalt ist in Sachsen in den letzten sechs Jahren um 33 Prozent gestiegen – von 7.698 Fällen im Jahr 2019 auf 10.202 Fälle im Jahr 2024. Die Straftaten reichen von häuslicher Gewalt über digitale Belästigung bis hin zu sexualisierter Gewalt. 2023 wurden 10.546 Opfer häuslicher Gewalt registriert, knapp drei Viertel davon Frauen und Mädchen. Fachstellen gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.
Zwischen 2019 und 2024 wurden im Freistaat 41 Frauen durch Partner oder Ex-Partner getötet, 42 weitere überlebten einen Tötungsversuch. Statistisch endet etwa alle zwei Monate eine Trennung tödlich für eine Frau. In der Polizeidirektion Leipzig werden rund 300 Hochrisikofälle geführt, in denen schwere Gewalt jederzeit möglich erscheint.
Bundesweite Lage: Gewalt bleibt ein Massenproblem
Auch bundesweit bleibt die Situation dramatisch. 2023 wurden 360 Frauen und weibliche Minderjährige getötet. Über 256.000 Opfer häuslicher Gewalt wurden registriert, mehr als 70 Prozent davon Frauen und Mädchen.
Der BKA-Bericht vom November 2025 weist für das Jahr 2024 erneut einen deutlichen Anstieg aus: 308 getötete Frauen und Mädchen sowie fast 266.000 Fälle häuslicher Gewalt – rund 10.000 mehr als im Vorjahr.
Sachsen baut Hilfenetz aus – dennoch bestehen große Lücken
Sachsen hat das Hilfenetz für Betroffene in den letzten Jahren erweitert. In zahlreichen Landkreisen und Städten bestehen inzwischen spezialisierte Beratungsangebote, unter anderem in Leipzig, Nordsachsen, Mittelsachsen, dem Vogtland, dem Erzgebirge, der Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge, Görlitz, Bautzen sowie in Leipzig und Chemnitz.
Zum Hilfesystem gehören außerdem Interventions- und Koordinierungsstellen, Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen, Männerschutzeinrichtungen sowie Beratungsangebote für Gewaltausübende.
Trotz dieser Fortschritte bleibt die Versorgungslage angespannt. Um den ab 2032 geltenden Rechtsanspruch auf einen kostenfreien Schutzplatz und fachliche Beratung erfüllen zu können, sind weitere erhebliche Ausbauschritte nötig. Derzeit stehen im Freistaat nur 168 Schutzplätze zur Verfügung, obwohl nach den Vorgaben der Istanbul-Konvention etwa 400 erforderlich wären. Im vergangenen Jahr mussten 333 Schutzsuchende abgewiesen werden, weil Schutzräume vollständig ausgelastet waren.
Zudem wurden zwei neue Beratungsstellen für Betroffene sexualisierter Gewalt eröffnet – im Landkreis Meißen und in Dresden. Insgesamt stehen dem Hilfesystem im Jahr 2025 mehr als 13,5 Millionen Euro zur Verfügung.
Landesaktionsplan setzt klare Ziele
Der Landesaktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention verfolgt das Ziel, Betroffenen zeit- und ortsnah Unterstützung zu ermöglichen. Dazu zählen der Ausbau von Schutzplätzen, spezialisierter Beratung und Prävention sowie eine stärkere Vernetzung aller beteiligten Akteurinnen und Akteure.
Die Daten machen deutlich: Gewalt gegen Frauen ist ein strukturelles und gesamtgesellschaftliches Problem, dessen Ausmaß auch in Sachsen seit Jahren wächst. Trotz des schrittweisen Ausbaus des Hilfesystems bestehen deutliche Versorgungslücken. Entscheidend wird sein, Schutzplätze, Beratungsangebote und Präventionsstrukturen weiter zu stärken, damit Betroffene wirksam geschützt werden.

