Lehrerbedarfsprognose: Planungssicherheit für Schulen – jetzt muss die Schulgesetznovelle folgen

19.05.2026

Die neue Lehrerbedarfsprognose für Sachsen schafft erstmals seit Jahren wieder eine verlässliche Grundlage für die langfristige Entwicklung des Bildungssystems. Nach intensiven fachlichen Gesprächen innerhalb der Koalition liegt damit erstmals seit 2022 wieder eine geeinte Prognose vor. Für die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag ist klar: Ziel bleibt, den Unterrichtsausfall endlich wirksam zu bekämpfen und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

„Die neue Lehrerbedarfsprognose schafft Planungssicherheit. Entscheidend ist, den Unterrichtsausfall in den Griff zu bekommen“, betont der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gerald Eisenblätter. Noch immer leiden viele Schulen unter Lehrkräftemangel – eine Folge struktureller Defizite und politischer Fehlentscheidungen vergangener Jahre, die sich nicht von heute auf morgen beheben lassen.

Demografischer Wandel als Chance für bessere Bildung

Bis 2040 wird die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Sachsen voraussichtlich um rund 80.000 sinken. Für die SPD-Fraktion ist diese Entwicklung Herausforderung und Chance zugleich. Statt pauschaler Kürzungen setzt die Koalition auf gezielte Investitionen in Bildungsqualität.

Konkret bedeutet das: Im Jahr 2040 sollen 1.600 Lehrerstellen mehr zur Verfügung stehen, als es eine reine Fortschreibung des heutigen Status quo vorsehen würde – ein Plus von 5,4 Prozent. Ziel ist es, Ressourcen schrittweise zurück ins Bildungssystem zu geben und damit Unterrichtsausfall zu reduzieren.

Dafür werden künftig sowohl Grund- als auch Ergänzungsbereich vollständig eingeplant. Dieser zusätzliche Puffer soll Schulen stabilisieren und nach und nach vollständig zur Verfügung gestellt werden. „Wer Schule ohne Ausfall planen will, braucht einen Puffer“, macht Eisenblätter deutlich.

Zugleich hält Sachsen die Zahl der Lehrerstellen bis zum Schuljahr 2031/32 stabil: Geplant sind 30.230 Lehrerstellen sowie insgesamt 31.730 Stellen für pädagogisches Personal. Neu ist zudem ein eigener Stellenplan für Schulassistenzen. Damit werden diese langfristig abgesichert und Entfristungen ermöglicht – ein wichtiger Schritt für mehr Verlässlichkeit an Schulen und für die Beschäftigten.

Fehler der Vergangenheit dürfen sich nicht wiederholen

Für die SPD-Fraktion steht fest: Die Fehler der frühen 2010er Jahre dürfen sich nicht wiederholen. Damals wurden zu wenige Lehrkräfte ausgebildet, zugleich fehlten jungen Lehrerinnen und Lehrern Perspektiven in Sachsen.

Deshalb braucht es jetzt eine vorausschauende und flexible Lehrerbildung. Die Lehrerbedarfsprognose müsse regelmäßig fortgeschrieben werden, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Zentrale Revisionspunkte sollen dabei die Jahre 2030 und 2035 sein.

„Wir brauchen die Gabe und Vernunft zum antizyklischen Handeln bei der Lehrerbildung“, so Eisenblätter. Das bedeutet: Wenn ab 2032 entlang der demografischen Entwicklung ein schrittweiser Stellenabbau einsetzt, muss parallel die Lehrkräfteausbildung wieder hochgefahren werden, damit 2040 ausreichend Absolventinnen und Absolventen bereitstehen. Nur so lasse sich verhindern, dass Sachsen erneut in eine Personallücke gerät.

Schulgesetznovelle muss jetzt kommen

Für die SPD-Fraktion ist die Lehrerbedarfsprognose nur ein erster Schritt. Wenn Schulen insbesondere im ländlichen Raum erhalten bleiben sollen, braucht es nun eine zeitnahe Reform des Schulgesetzes.

Im Mittelpunkt stehen mehr jahrgangsübergreifender Unterricht in den Klassenstufen 1 bis 4 sowie 5 bis 6, längeres gemeinsames Lernen und Anpassungen bei Mindestgrößen und Ausnahmen bei der Klassenbildung. Zudem soll die dreizügige Oberschule+ künftig auch in Mittelzentren ermöglicht werden – wie im Koalitionsvertrag vereinbart. Bei Gemeinschaftsschulen strebt die SPD-Fraktion einen Systemwechsel an: Statt einer Vierzügigkeit soll künftig eine Mindestschülerzahl entscheidend sein.

Gleichzeitig setzt die SPD zentrale bildungspolitische Vorhaben um, die bereits im Koalitionsvertrag verankert wurden: die Einführung einer Klassenleiterstunde, die Stärkung des Klassenrates sowie Maßnahmen zum Erhalt von Schulstandorten.

Klar ist für die SPD-Fraktion aber auch: Die Grundlage kann der Landtag schaffen – entschieden wird vor Ort. Damit ein Schulmoratorium tragfähig wird, braucht es den Schulterschluss von Land, Kommunen, Landkreisen und freien Schulen. Nur gemeinsam lässt sich sicherstellen, dass Schule auch künftig in der Fläche erhalten bleibt.