Sabine Frie­del,  bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag, zur Ent­schei­dung des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums, das Mathea­b­itur neu zu bewer­ten:

„Das Mathea­b­itur legt ein Pro­blem offen, auf das die SPD schon lange hin­weist: In den Schu­len wird viel aus­wen­dig gelernt. Gute Noten gibt es vor allem für ein gutes Gedächt­nis. Doch viel zu oft bleibt das wirk­li­che Ver­ste­hen auf der Stre­cke. In diesem Jahr ging es laut Kul­tus­mi­nis­te­ri­um ‚ins­be­son­de­re darum, das erwor­be­ne Wissen auf neue und unbe­kann­te Sach­ver­hal­te anzu­wen­den.‘ Genau das ist der Zweck von Schule: Kin­dern und Jugend­li­chen die Fähig­kei­ten zu ver­mit­teln, mit neuen und unbe­kann­ten Sach­ver­hal­ten umzu­ge­hen. Denn das Leben besteht aus neuen und unbe­kann­ten Sach­ver­hal­ten! Das dies­jäh­ri­ge Mathea­bi ist also ein klarer Fol­ge­feh­ler säch­si­scher Schul­kul­tur.

Für die Ent­schei­dung zur Noten­he­bung wird es gute fach­li­che Gründe geben. Es ist zu begrü­ßen, dass das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um hier Ver­ständ­nis zeigt. Ver­ständ­nis muss künf­tig aber auch zum Schlüs­sel­wort guten Unter­richts werden. Hier­für brau­chen wir eine flä­chen­de­cken­de Ver­än­de­rung der Unter­richts­kul­tur. Seit 2004 hat Sach­sen kom­pe­tenz­ori­en­tier­te Lehr­plä­ne. Sie sind gut, nahmen bun­des­weit einst eine Vor­rei­ter­stel­lung ein. Doch zu oft hat die Wirk­lich­keit an den Schu­len mit dem Papier der Lehr­plä­ne nicht viel zu tun. Zu oft wird aus­wen­dig gelernt, werden alle Lehr­p­la­nin­hal­te ins Schul­jahr gequetscht, obgleich sie doch nur Emp­feh­lun­gen und Bei­spie­le sind. Das Ver­ständ­nis der Schü­le­rin­nen und Schü­ler gehört end­lich in den Mit­tel­punkt des Unter­rich­tens, nicht die Erfül­lung von Noten­vor­ga­ben der Kul­tus­ver­wal­tung.

Bemer­kens­wert ist auch ein wei­te­rer Punkt: Gerade der PISA-Sieger Sach­sen, der immer so viel Wert auf bun­des­ein­heit­li­che Prü­fun­gen legt, hat bisher offen­bar wei­ter­rei­chen­de Ände­run­gen an den bun­des­wei­ten Auf­ga­ben vor­ge­nom­men. Wenn das SMK dazu mit­teilt, dass ‚Sach­sen in diesem Jahr mehr Auf­ga­ben unver­än­dert aus dem gemein­sa­men Auf­ga­ben­pool der Länder ent­nom­men hat‘, wirft das durch­aus Fragen zur bis­he­ri­gen Vor­ge­hens­wei­se auf.”