Sabine Frie­del, bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag, am Mitt­woch zur aktu­el­len Pisa-Aus­wer­tung der OECD:

+++ Aktu­el­le PISA-Aus­wer­tung belegt Not­wen­dig­keit län­ge­ren gemein­sa­men Ler­nens +++

„Weit mehr als in ande­ren Län­dern hängt der schu­li­sche Erfolg deut­scher Kinder von ihrer Her­kunft ab“, so Sabine Frie­del. „Das hat eine aktu­el­le Pisa-Aus­wer­tung der OECD erge­ben, die ges­tern ver­öf­fent­licht wurde. Schü­ler aus wirt­schaft­lich schwa­chen Fami­li­en haben im Ver­gleich zu Gleich­alt­ri­gen aus guten Ver­hält­nis­sen einen durch­schnitt­li­chen Lern­rück­stand von mehr als drei Schul­jah­ren. Zwar nimmt die Chan­cen­gleich­heit in Deutsch­land lang­sam zu, aber noch immer liegt sie unter dem OECD-Durch­schnitt.“

Als einen wesent­li­chen Grund machen die For­scher die man­geln­de sozia­le Durch­mi­schung von Schu­len aus. Die Studie zeigt, dass benach­tei­lig­te Schü­ler beson­ders dann besser abschnei­den, wenn sie gemein­sam mit bes­ser­ge­stell­ten Schü­lern unter­rich­tet werden. Schwer haben sie es dage­gen vor allem an soge­nann­ten „Brenn­punkt­schu­len”, an denen beson­ders viele benach­tei­lig­te Schü­ler lernen. Die Bil­dungs­nach­tei­le sind bereits bei den 10jährigen Schü­lern sicht­bar und ver­fes­ti­gen sich im Laufe der wei­te­ren Schul­jah­re (http://​www​.oecd​.org/​f​r​/​p​r​e​s​s​e​/​l​e​s​-​i​n​e​g​a​l​i​t​e​s​-​s​c​o​l​a​i​r​e​s​-​s​o​n​t​-​v​i​s​i​b​l​e​s​-​d​e​s​-​l​-​a​g​e​-​d​e​-​d​i​x​-​a​n​s​.​htm).

Frie­del: „Die Emp­feh­lun­gen der OECD sind deut­lich. Kurz­fris­tig gilt es, benach­tei­lig­te Schu­len in einem schwie­ri­gen Umfeld beson­ders zu unter­stüt­zen. Die säch­si­sche Regie­rungs­ko­ali­ti­on hat hier in den letz­ten Jahren eini­ges auf den Weg gebracht: Die Ein­füh­rung und Aus­wei­tung von Schul­so­zi­al­ar­beit, der Ausbau der Ganz­tags­an­ge­bo­te ins­be­son­de­re an Ober­schu­len und das im nächs­ten Jahr star­ten­de Pro­gramm ‚Schul­as­sis­tenz’ brin­gen solche geziel­te Unter­stüt­zung.“

Doch für den lang­fris­ti­gen Erfolg braucht es eine bes­se­re sozia­le Durch­mi­schung der Schu­len“, so Sabine Frie­del weiter. „Dass Bil­dungs­nach­tei­le bereits im Alter von 10 Jahren sicht­bar werden, ist kein Zufall. Mit der Auf­tei­lung auf Ober­schu­len und Gym­na­si­en wird genau in diesem Alter die sozia­le Ent­mi­schung der Schu­len beför­dert. Auch des­halb ist das län­ge­re gemein­sa­me Lernen ein Schlüs­sel für die Bil­dungs­er­fol­ge der Zukunft. Schü­ler sor­tie­ren ist keine gute Bil­dungs­po­li­tik, das zeigt uns PISA seit vielen Jahren. Kinder brau­chen indi­vi­du­el­le För­de­rung in hete­ro­ge­nen Klas­sen. Unsere Leh­rer­aus­bil­dung muss ein viel grö­ße­res Augen­merk auf den dif­fe­ren­zier­ten Unter­richt und geziel­te För­der­me­tho­den legen.”

Kon­ser­va­ti­ve Befürch­tun­gen, dass hete­ro­ge­ne Klas­sen den Lern­er­folg guter Schü­ler beein­träch­ti­gen, räumen die For­schungs­da­ten aus (https://​www​.tages​spie​gel​.de/​w​i​s​s​e​n​/​n​e​u​e​-​p​i​s​a​-​a​u​s​w​e​r​t​u​n​g​-​s​t​r​a​f​f​e​-​l​e​i​t​u​n​g​-​u​n​d​-​g​u​t​e​s​-​k​l​i​m​a​/​2​0​9​0​3​5​2​6​.​h​tml: „Schlei­cher beton­te, die Anwe­sen­heit von sozial benach­tei­lig­ten Schü­lern schla­ge sich nicht nega­tiv auf die Leis­tung bes­ser­ge­stell­ter Schü­lern nieder”).

Hin­ter­grund:

Bereits 2017 hat die SPD-Land­tags­frak­ti­on Vor­schlä­ge für eine ver­bes­ser­te Leh­rer­aus­bil­dung vor­ge­legt (https://​www​.spd​-frak​ti​on​-sach​sen​.de/​p​o​s​i​t​i​o​n​s​p​a​p​i​e​r​-​z​u​r​-​z​u​k​u​n​f​t​-​d​e​r​-​l​e​h​r​e​r​b​i​l​d​u​n​g​-​i​m​-​f​r​e​i​s​t​a​a​t​-​s​a​c​h​s​en/).  In Sach­sen werden der­zeit Unter­schrif­ten für einen Volks­an­trag zum Län­ge­ren gemein­sa­men Lernen gesam­melt (https://​www​.gemein​schafts​schu​le​-in​-sach​sen​.de/). Auch die SPD unter­stützt diese Initia­ti­ve (http://​www​.lgl​-sach​sen​.de).