Für mehr Bewegung, bessere Talentförderung und starke Vereine
In der Aktuellen Debatte „Sportland Sachsen in Bewegung: Wie gelingt die Rolle vorwärts?“ hat der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Albrecht Pallas, heute die Bedeutung von frühkindlicher Bewegung, breiter Talentförderung und einer nachhaltigen Unterstützung des Vereinssports hervorgehoben.
Ausgangspunkt seiner Rede waren Beispiele aus dem sächsischen Alltag: junge Talente aus ganz unterschiedlichen Sportarten – Basketball, Eisschnelllauf, Fußball, Football und Handball – die alle denselben Weg genommen haben: Sie begannen in einem hervorragenden, stilprägenden, schillernden, großen Fußballverein, wurden dort vielseitig und breit ausgebildet und fanden schließlich ihren eigenen Sport.
„Diese Geschichten zeigen, was gute sportliche Ausbildung leisten kann“, so Pallas. „Im Breitensport werden die Grundlagen gelegt, aus denen später Spitzensport wächst.“
Alarmierende Entwicklung bei motorischen Fähigkeiten
Pallas machte jedoch deutlich, dass es im Sportland Sachsen große Herausforderungen gibt.
„Die motorischen Fähigkeiten vieler Kinder und Jugendlicher sind alarmierend schwach ausgeprägt, und die Vereinsquote liegt teilweise 30 Prozent unter der anderer Bundesländer“, erklärte er. „Gleichzeitig wächst der Organisationsgrad im sächsischen Sport – aber nicht schnell genug.“
Die Vereine benennen seit Jahren drei zentrale Probleme:
- Rückgang des Ehrenamts, insbesondere bei Trainerinnen und Trainern.
- Hohe Auslastung und schlechter Zustand vieler Sportstätten.
- Übermäßige Bürokratie, die selbst einfache Veranstaltungen erschwert.
Sportpolitische Weichenstellungen der vergangenen Wochen
Pallas verwies auf mehrere sportpolitische Ereignisse, die zuletzt Bewegung in die Debatte gebracht haben:
- Landessporttag des LSB mit Wechsel an der Spitze von Ulrich Franzen zu Dr. Frank Pfeil.
- Sportgipfel des Ministerpräsidenten zur Trainer:innen-Bezahlung und zur Bundes-Sportstättenförderung („Sport-Milliarde“).
- Fachforum Schule und Sport des Kultusministeriums.
„Diese Termine zeigen: Sportpolitik steht im Fokus – und das ist gut so“, betonte Pallas. Gleichzeitig sei die Haushaltslage schwierig. Der Verzicht auf neue investive Landesmittel im aktuellen Doppelhaushalt sei nachvollziehbar, weil er die strukturelle Förderung des Sports sichere. „Aber wir wissen um die Bedarfe überall im Land. Deshalb ist es entscheidend, dass über den Sachsenfonds und die Bundesmittel Investitionen weiter möglich bleiben.“
Veranstaltung: ‚Sachsen in Bewegung – wie gelingt die Rolle vorwärts?‘
Am Vortag der Debatte hatte die SPD-Fraktion Expertinnen und Experten aus dem gesamten sächsischen Sport eingeladen. Gemeinsam wurden vier zentrale Handlungsfelder beleuchtet:
1. Bewegung in Schule und Kita stärken
- Bereits in der Kita müsse gezielte Bewegung beginnen.
- Auf vielen Spielplätzen fehlten heute grundlegende Bewegungsmöglichkeiten wie Reckstangen oder Klettergeräte.
- Pädagogisches Personal sei häufig zurückhaltend mit Zusatzangeboten – u. a. wegen rechtlicher Unsicherheit.
- Pallas: „Wir müssen Erzieher:innen und Lehrkräften den Rücken stärken und Mut machen, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren.“
2. (Junges) Engagement im Sport fördern
- Vereine benötigen dringend Nachwuchs im Ehrenamt und bei Trainer:innen.
- Junge Menschen müssen Anerkennung, Verantwortung und echte Beteiligung erfahren.
- Programme wie „Ehrenamt stärken im Sport“ oder die Einführung einer Bildungszeit wurden erneut klar eingefordert.
3. Inklusion im Sport stärken
- Viele sächsische Vereine – etwa Motor Mickten mit dem prämierten Projekt „Move“ – zeigen, was möglich ist.
- Der Behinderten- und Rehabilitationssportverband leistet Hervorragendes.
- Ziel müsse aber sein: Sport für Menschen mit Behinderungen in allen Vereinen und Sportarten.
4. Sportstätten der Zukunft planen
- Die Kombination aus Bundes-Sportmilliarde und Sachsenfonds sei wichtig, um trotz knapper Haushaltslage investieren zu können.
- Die Sportstättenstatistik biete eine gute Grundlage; sie müsse weiterentwickelt werden.
- Empfohlen wurde eine Sportentwicklungsplanung auf Landes- und Kreisebene.
- Digitale Tools könnten zur besseren Auslastung von Sportanlagen beitragen.
- Kleine Vereinsmaßnahmen müssten in den nächsten Doppelhaushalt zurückkehren:
„Gerade kleine Vereine brauchen weiterhin niedrigschwellige Unterstützung“, betonte Pallas.
Wertschätzung für Trainer:innen und Ehrenamt
Pallas hob die Bedeutung derjenigen hervor, die die Basis des Sports bilden:
- Anhebung der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale
- Fortführung von „Wir für Sachsen“
- Verbesserte Bezahlung im Leistungssport
- Weiterentwicklung der akademischen Trainerausbildung
- Einführung einer Bildungszeit
Mit einem persönlichen Appell schloss Pallas seine Rede:
„Die Wintersportsaison beginnt, und viele sitzen vor dem Fernseher und fiebern mit. Aber hinter jedem Justus Strelow steht ein Jugendtrainer, der jahrelang mit ihm geübt hat. Ich habe großen Respekt vor allen, die sich im Sport engagieren, und sage aus tiefstem Herzen: Danke.“

