Wasserversorgung: zukunftsfest, krisensicher, solidarisch

5. Mai 2022

Landtag berät Antrag zu Wasserkonzept 2030

„Wasser ist ein knappes Gut und wird auch in Sachsen zuneh­mend knapper. Daher ist es wichtig, sich über die Zukunft der Was­ser­ver­sor­gung Gedanken zu machen. Wir müssen die Ver­sor­gung der säch­si­schen Bevöl­ke­rung, von Kom­munen und Unter­nehmen, ins­be­son­dere auch der Land­wirt­schaft, sicher­stellen. Das ist eine Genera­tio­nen­auf­gabe”, so der umwelt­po­li­ti­sche Spre­cher der SPD-Frak­tion Volkmar Winkler zum Antrag der Koali­tion “Grund­satz­kon­zep­tion Was­ser­ver­sor­gung 2030” (Drs. 7/9719)

Immer häu­figer sind län­gere Tro­cken­zeiten und teil­weise erheb­liche Nie­der­schlags­de­fi­zite zu beob­achten, die direkte Aus­wir­kungen auf die öffent­liche Trink­was­ser­ver­sor­gung in Deutsch­land haben. Ein zeit­weise beson­ders hoher Was­ser­be­darf und, die durch feh­lende Nie­der­schläge knappen Res­sourcen, stellen die kom­plexen Was­ser­ver­sor­gungs­sys­teme vor immer grö­ßere Her­aus­for­de­rungen.

Laut Aus­wer­tung von Daten, die im Auf­trag der NASA und des Deut­schen Zen­trums für Luft- und Raum­fahrt erhoben werden, haben wir in Deutsch­land in den letzten 20 Jahren eine Was­ser­menge im Umfang des Boden­sees ver­loren, das sind unvor­stell­bare 48 Mrd. Kubik­meter. In 20 Jahren! In ganz Deutsch­land!

Foto: NUCCI | Adobe Stock

Die letzten Jahre waren ins­ge­samt viel zu tro­cken und auch 2022 war bis­lang im Ver­gleich zum lang­jäh­rigen Mittel wärmer und brachte gerin­gere Nie­der­schläge. Einige erin­nern sich viel­leicht noch an die Ver­bote von Was­ser­ent­nahmen aus Ober­flä­chen­ge­wäs­sern, zuletzt in Sachsen, Bran­den­burg und Thü­ringen im Sommer 2020.

Aber ernst­hafte Sorgen wegen zu wenig Wasser machen sich die wenigsten von uns. Wir sehen zwar, dass die Bäume in unserem Wald ver­dorrt sind, aber das Lei­tungs­wasser kommt ja weiter aus dem Hahn.

Aber, beim Pro-Kopf-Ver­brauch (je Ein­wohner) sind wir in Sachsen schon ganz gut und Spit­zen­reiter beim Was­ser­sparen im Bun­des­län­der­ver­gleich. Unser all­täg­li­cher Was­ser­be­darf der Haus­halte macht aber trotzdem nur knapp die Hälfte des Gesamt­ver­brauchs aus. Wei­tere 45 Pro­zent ent­fallen auf das ver­ar­bei­tende Gewerbe und die Ener­gie­ver­sorger, davon ein nicht geringer Teil auf Tage­bau­be­treiber. Da müssen noch etliche Haus­auf­gaben gemacht werden, man­ches wird sich durch poli­ti­sche vor­ge­ge­bene Bedin­gungen, wie bspw. den Koh­le­aus­stieg ändern.

Darauf müssen wir vor­be­reitet sein!

Nur wenn Politik, Behörden und Was­ser­ver­sorger gemeinsam Ver­ant­wor­tung über­nehmen und kon­struktiv zusam­men­ar­beiten, lässt sich die Ver­sor­gungs­si­cher­heit auch in Zukunft gewähr­leisten. Es bedarf also einer intel­li­genten Ver­tei­lung durch die Was­ser­be­hörden und klarer Regeln.

Land­wirte sollen ihre Felder intel­li­gent bewäs­sern, Was­ser­ver­sorger soge­nannte Lei­tungs­ver­luste ver­meiden und die Ver­brau­cher weiter zu Was­ser­spar­sam­keit ange­halten werden. Land­wirte haben dar­über hinaus eine wich­tige Dop­pel­funk­tion – sie ent­nehmen nicht nur Wasser, son­dern beein­flussen mit ihrer Feld­ar­beit auch die Qua­lität des Grund­was­sers.

Gute Was­ser­qua­lität ist aber auch eine Mög­lich­keit das Was­ser­dar­gebot zu erhöhen. Denn Was­ser­ver­sorger brau­chen gutes Roh­wasser. Grund­wasser, das mit Nitrat oder Hum­in­stoffen belastet ist, können sie nicht mehr nutzen, weil die Auf­be­rei­tung zu teuer ist.  

Gegen­wärtig exis­tiert die Grund­satz­kon­zep­tion 2020 für die öffent­liche Was­ser­ver­sor­gung im Frei­staat Sachsen. Im Koali­ti­ons­ver­trag haben wir ver­ein­bart, die Was­ser­ver­sor­gungs­kon­zep­tion für 2030 fort­zu­schreiben.

Mit dem Antrag haben wir uns als Koali­tion auf den Weg begeben, den exis­ten­ti­ellen Sektor der Was­ser­ver­sor­gung im Frei­staat für die Zukunft kri­sen­si­cher auf­zu­stellen. 

Der SPD-Frak­tion ist neben der Ver­sor­gungs­si­cher­heit, dem Ver­brau­cher­schutz und der Öko­logie aber auch die Finan­zie­rung und Las­ten­ver­tei­lung wichtig, damit mög­lichst nicht am bestehenden Soli­dar­prinzip gerüt­telt wird.Auch damit Wasser nicht das nächste Gut wird, wel­ches sich so dra­ma­tisch ver­teuert, dass Haus­halte mit geringen Ein­kommen das Nach­sehen haben. Denn auch die Infra­struktur muss erneuert, ver­bes­sert und ertüch­tigt werden. Dafür, sowie für die Ver­sor­gung selbst, müssen die Kosten gedeckt werden. Hier werden wir im Rahmen der Koali­tion auch über ange­passte oder neue Modelle der Finan­zie­rung reden müssen, alles andere wäre unred­lich.