Erklä­rung der Obleu­te der Frak­tio­nen DIE LINKE, SPD und BÜND­NIS 90/DIE GRÜNEN im Land­tags­aus­schuss für Sozia­les und Ver­brau­cher­schutz, Gleich­stel­lung und Inte­gra­ti­on,
Susan­ne Scha­per (DIE LINKE), Dagmar Neu­kirch (SPD), Volk­mar Zscho­cke (BÜND­NIS 90/DIE GRÜNEN):

Ein Vor­sit­zen­der eines Land­tags­aus­schus­ses hat eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung. Er ist, neben seiner Tätig­keit als Abge­ord­ne­ter, auch Reprä­sen­tant des Aus­schus­ses und damit aller seiner Mit­glie­der. Dieses Amt hat ein Vor­sit­zen­der neu­tral und vor allem wür­de­voll aus­zu­üben – unbe­rührt von einer natür­lich not­wen­di­gen fach­po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung. Er reprä­sen­tiert den Aus­schuss in seiner Gesamt­heit.

Mit seinen Äuße­run­gen am Mitt­woch, 30. Mai 2018, im Plenum des Säch­si­schen Land­ta­ges zum Zuwan­de­rungs- und Inte­gra­ti­ons­kon­zept hat der Abge­ord­ne­te Wendt, der auch Vor­sit­zen­der des Land­tags­aus­schus­ses für Sozia­les und Ver­brau­cher­schutz, Gleich­stel­lung und Inte­gra­ti­on ist, eine Grenze über­schrit­ten. Er hat sich damit end­gül­tig als Aus­schuss­vor­sit­zen­der dis­qua­li­fi­ziert. Dies gilt ins­be­son­de­re für einen Aus­schuss wie den Sozi­al­aus­schuss. In ihm werden Sach­ver­hal­te bera­ten, die eine große Band­brei­te gesell­schaft­li­cher Viel­falt abbil­den. Auch wenn es nicht der per­sön­li­chen Mei­nung des Vor­sit­zen­den ent­spricht, so ist es doch seine Pflicht, sich in öffent­li­chen Äuße­run­gen zu sozia­len sowie gleich­stel­lungs- und inte­gra­ti­ons­po­li­ti­schen Themen in ange­mes­se­ner Zurück­hal­tung zu üben. Das hat Herr Wendt nun wie­der­holt nicht getan.
Die Obleu­te von Linken, SPD und Grünen miss­bil­li­gen das Ver­hal­ten des Abge­ord­ne­ten Wendt aus­drück­lich und stel­len klar: Herr Wendt hat mit seiner Rede am Mitt­woch in keiner Weise die Hal­tung des Aus­schus­ses wie­der­ge­ben. Herr Wendt wäre gut bera­ten, selbst die Kon­se­quen­zen zu ziehen und sein Amt als Aus­schuss­vor­sit­zen­der zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die von Herrn Wendt ver­tre­te­nen Inhalt, Hal­tun­gen und Äuße­run­gen im Hin­blick auf Geflüch­te­te und Migran­ten sind unver­ein­bar mit einer respekt- und wür­de­vol­len Amts­aus­füh­rung. Er sollte sich selbst dar­über im Klaren sein, dass er damit für das Amt des Vor­sit­zen­den des Sozi­al­aus­schus­ses nicht geeig­net ist.

Schon seit gerau­mer Zeit ver­sucht Herr Wendt, Men­schen gegen Men­schen auf­zu­het­zen. So pro­vo­ziert er mit Klei­nen Anfra­gen, bei­spiels­wei­se zur Ste­ri­li­sa­ti­on von unbe­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Aus­län­dern, bringt Flücht­lin­ge und Asyl­be­wer­ber mit sel­te­nen Erkran­kun­gen und Krätze in Ver­bin­dung, warnt vor Gefah­ren für Pati­en­ten durch aus­län­di­sche Ärzte oder duldet men­schen­ver­ach­ten­de Kom­men­ta­re auf seinen Inter­net­an­ge­bo­ten.

In seiner Rede zum Zuwan­de­rungs- und Inte­gra­ti­ons­kon­zept, die er selbst als „Knall­har­te Abrech­nung von André Wendt“ ein­ord­ne­te, schür­te er nun offen Hass gegen Migran­ten. Er beschwor die Gefahr einer rechts­wid­ri­gen Flu­tung Euro­pas mit Mil­lio­nen Men­schen, die er mehr­heit­lich als Analpha­be­ten, Kri­mi­nel­le, Mes­ser­ste­cher, Isla­mis­ten oder Anti­se­mi­ten dif­fa­mier­te.