„Unser Ziel ist es, die bisher bewähr­te Rege­lung auch weiter zu sichern“, so Sabine Frie­del am Mitt­woch in Dres­den zum Gesetz­ent­wurf der Koali­ti­ons­frak­tio­nen zur Bil­dungs­emp­feh­lung. „Gleich­zei­tig wird das ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Recht der Eltern zur Schul­wahl berück­sich­tigt. Das säch­si­sche Schul­sys­tem bietet für alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler Mög­lich­kei­ten zum erfolg­rei­chen Schul­ab­schluss.  Jede Schul­art hat ihre eige­nen Stär­ken: Die Ober­schu­len bilden pra­xis­ori­en­tiert aus und berei­ten auf eine Berufs­aus­bil­dung vor, die Gym­na­si­en ori­en­tie­ren dar­über hinaus auch für ein Stu­di­um.“

„Der Weg zu wei­ter­füh­ren­den Abschlüs­sen ist über beide Schul­ar­ten mög­lich“, so Frie­del weiter. „Die Eltern haben bei ihrer Ent­schei­dung eine große Ver­ant­wor­tung. Bei der Schul­wahl spie­len viele Aspek­te eine Rolle: Die Wohn­ort­nä­he und das Profil der Schule genau­so wie die Bega­bun­gen und Nei­gun­gen des Kindes. Mit der geplan­ten Rege­lung wollen wir die Eltern dabei unter­stüt­zen, die rich­ti­ge Ent­schei­dung zum Wohl des Kindes zu tref­fen. Die Schu­len sollen die Ent­schei­dung eng beglei­ten, denn unsere Lehr­kräf­te können sehr gut ein­schät­zen, auf wel­chen Fel­dern die jewei­li­gen Stär­ken eines Schü­lers liegen.”

Mit dem vor­lie­gen­den Gesetz­ent­wurf soll die zweite ver­bind­li­che Bil­dungs­emp­feh­lung nach der 6. Klasse weg­fal­len. „Es ist in den letz­ten Jahren deut­lich gewor­den, dass dies ein unnö­ti­ges Ver­fah­ren ist“, so Frie­del. „Mit diesem Schritt ent­las­ten wir die Lehr­kräf­te an unse­ren Schu­len enorm.“ Die Durch­läs­sig­keit des Schul­sys­tems ist nach jeder Klas­sen­stu­fe gege­ben, die zweite Bil­dungs­emp­feh­lung war dabei schon bisher nicht rele­vant.

Die Ein­zel­no­vel­le wird los­ge­löst vom aktu­ell lau­fen­den Ver­fah­ren zur Novel­lie­rung des Schul­ge­set­zes behan­delt. Frie­del: „Wir wollen schnell Rechts­si­cher­heit für die Schu­len schaf­fen. Des­halb muss eine Neu­re­ge­lung im Febru­ar in Kraft treten können.” Das Bera­tungs­ver­fah­ren zur später in Kraft tre­ten­den Novel­le des Schul­ge­set­zes  werde davon unab­hän­gig fort­ge­führt.

Der Gesetz­ent­wurf der Koali­ti­ons­frak­tio­nen sieht vor, dass die bis­he­ri­gen Kri­te­ri­en für die Bil­dungs­emp­feh­lung bei­be­hal­ten werden: Die Bil­dungs­emp­feh­lung für das Gym­na­si­um wird erteilt, wenn

  1. der Durch­schnitt der Noten in den Fächern Deutsch, Mathe­ma­tik und Sach­un­ter­richt in der Halb­jah­res­in­for­ma­ti­on oder am Ende des Schul­jah­res 2,0 oder besser ist und keines dieser Fächer mit der Note „aus­rei­chend“ oder schlech­ter beno­tet wurde und
  2.  die Grund­schu­le auf­grund des Lern- und Arbeits­ver­hal­tens des Schü­lers, der Art und Aus­prä­gung seiner schu­li­schen Leis­tun­gen und seiner Ent­wick­lung päd­ago­gisch ein­schätzt, dass er den Anfor­de­run­gen des Gym­na­si­ums vor­aus­sicht­lich ent­spre­chen wird.

 In allen ande­ren Fällen wird die Bil­dungs­emp­feh­lung für die Ober­schu­le erteilt. Wenn Eltern ihr Kind mit einer Ober­schul­emp­feh­lung den­noch am Gym­na­si­um anmel­den wollen, so tref­fen sie ihre Letzt­ent­schei­dung auf der Basis einer unbe­no­te­ten Leis­tungs­er­he­bung und eines Bera­tungs­ge­sprä­ches. Dem Eltern­wil­len wird damit Genüge getan, gleich­zei­tig soll deut­lich werden, welch ver­ant­wor­tungs­vol­le Ent­schei­dung die Eltern hier zu tref­fen haben.

 Hin­ter­grund:

 Beim Über­gang von der Grund­schu­le zur wei­ter­füh­ren­den Schule wird in Sach­sen eine Bil­dungs­emp­feh­lung aus­ge­spro­chen. Die Kri­te­ri­en für die Emp­feh­lung finden sich bisher nicht im Schul­ge­setz. Diesen Zustand hatte Ende Okto­ber das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für rechts­wid­rig erklärt. Die Koali­ti­ons­frak­tio­nen wollen das Pro­blem zügig behe­ben, denn schon in weni­gen Wochen müssen die Bil­dungs­emp­feh­lun­gen für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der vier­ten Klasse vor­be­rei­tet werden.