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Inklusionskongress 2018

4. Inklusionskongress der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag macht Mut

(von Sabine Sieble)

„Setzen Sie die Zahlenreihe fort: 2 – 4 – 6 – ?“, fordert Prof. André Zimpel. „Acht“, ruft es aus dem Publikum und fast zeitgleich „Zehn“. Bei einem Intelligenztest wäre die erste Antwort korrekt, die zweite falsch. Doch auch 10 ist eine Lösung, wenn man nicht von einer aufeinanderfolgenden Reihe gerader Zahlen, sondern davon ausgeht, dass 2 + 4 = 6 und 4 + 6 = 10 ist. Die weitere logische Fortsetzung wäre dann die Zahl 16. Prof. André Zimpel von der Universität Hamburg zeigte in seinem Vortrag „Was wir von Menschen mit Behinderung lernen können“ auf dem diesjährigen 4. Inklusionskongress in Görlitz, dass Intelligenz ein soziales Konstrukt ist.

Er motivierte dazu, den Intelligenzbegriff weiter zu fassen und z.B. auf soziale Intelligenz auszudehnen. Gerade Autisten bzw. Menschen mit Störungen im Autismusspektrum finden bei Intelligenztestfragen und damit auch bei alltäglichen Herausforderungen oftmals andere, aber ebenso korrekte Lösungen. Nur werden sie von der Mehrheit, die in erwarteten Bahnen denkt, ausgegrenzt, eben weil unerwartete Antworten und ihre Herangehensweise als vermeintlich falsch gewertet werden. Es braucht also ein Umdenken, ein flexibles und vorurteilsfreies Denken in der Mehrheitsgesellschaft, um Menschen mit Behinderungen einzubeziehen.

„Es sind nicht die kleinen Schritte, die Kinder weiterbringen. Gehen Sie große Schritte.“ Prof. André Zimpel

Prof. Zimpel begeisterte die 90 Gäste des diesjährigen Inklusionskongresses nicht nur mit diesem Zahlenbeispiel.

Der Professor, der über Trisomie 21 geforscht und zahlreiche Bücher zu diesem Thema publiziert hat, zeigte anschaulich auf, was Förderung jenseits von Förderschulen sowie Zutrauen in die Fähigkeiten anderer für Menschen mit Behinderung und deren Lernerfolge bewirken kann.

Dabei zog er immer wieder Parallelen zur Erziehung und Förderung von Kindern – ein Gebiet, über das er ebenso intensiv geforscht und publiziert hat. „Zeigen Sie Kindern auf, wofür sie etwas lernen; zeigen Sie die großen Zusammenhänge. Es sind nicht die kleinen Schritte, die Kinder weiterbringen. Gehen Sie große Schritte“, schloss er seinen Vortrag, der dem Ansinnen von Hanka Kliese, einen Mutmacher-Kongress durchzuführen, mehr als gerecht wurde.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung ging es um politische und gesetzliche Gelingensbedingungen für Inklusion. Stephan Pöhler, Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für Menschen mit Behinderung, stellte seine Überlegungen für ein Sächsisches Inklusionsgesetz vor. Ihm war dabei die Einbeziehung der Betroffenen sowie der Kommunen wichtig, weswegen er ein Onlinebeteiligungsverfahren durchführte, dass zunächst selbst die Herausforderung meistern musste, barrierefrei nutzbar und damit inklusiv zu sein.
In seinen Überlegungen spricht Pöhler sich für mehr Barrierefreiheit aus, auch hinsichtlich des Einsatzes von Leichter Sprache, für die Beseitigung pauschaler Wahlrechtsausschlüsse sowie für einen Rechtsanspruch auf den Besuch von Regelkitas für Kinder mit Behinderung. Darüber hinaus plädierte er dafür, den Beauftragten hauptamtlich zu besetzen und an die Staatskanzlei anzugliedern, eben weil Inklusion ein Querschnittsthema und nicht ausschließlich dem Sozialministerium zuordenbar sei. Dafür erntete er viel Applaus.

Ein Mutmacher-Kongress

Am Nachmittag diskutierten schließlich die Staatssekretärin des Sozialministeriums, Regina Kraushaar, der Direktor der DZB, Prof. Thomas Kahlisch, der Verbandsdirektor des KSV, Andreas Werner, sowie der Referent für Behindertenhilfe der Caritas Görlitz darüber, wie die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes seit der Einführung der 1. Stufe Anfang 2017 funktioniert. Auch in dieser Abschlussrunde gab es viele Anregungen und Denkanstöße; zugleich zeigte die Runde auch, dass Proteste von Betroffenen durchaus zu Änderungen in Gesetzesentwürfen führen können, wie beim BTHG geschehen. Sich konstruktiv einzubringen, seine Hinweise und Anregungen z.B. an den zuständigen Abgeordneten weitergeben, lohnt sich also.

Impressionen:

 

„Was können wir von Menschen mit Behinderung lernen? Dieser Frage wollen wir, die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, nachgehen.
Wir laden Sie herzlich ein, am 2. Juni zu unserem 4. Inklusionskongress zu kommen. Er findet im Wichernhaus Görlitz statt. Dieser Ort ist barrierearm. Assistenzbedarfe oder den Wunsch nach Kinderbetreuung melden Sie gern vorab – wir kümmern uns darum.
Der Kongress beginnt 10 Uhr und endet am Nachmittag mit einer Diskussion zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in Sachsen. Er soll Menschen ermutigen, weiter für Inklusion zu kämpfen und dem gemeinsamen Austausch dienen.
Sie treffen dort u.a. Regina Kraushaar (SMS), Prof. André Zimpel aus Hamburg und Stephan Pöhler!
Ich freue mich auf Sie.“ – Hanka Kliese

4. INKLUSIONSKONGRESS DER SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag
2. Juni 2018 10 Uhr bis 16.00 Uhr
Wichernhaus Görlitz (Johannes-Wüsten-Straße 23 A, Görlitz)

Anmeldeschluss: 24. Mai 2018 (Anmeldung – siehe unten)

Einen Eindruck vom 3. Inklusionskongress in Leipzig finden Sie hier: Inklusionskongress 2016

Programm

Beginn 10 Uhr

Begrüßung und Grußworte
Hanka Kliese, MdL, Sprecherin für Inklusion und Kultur der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag
Dr. Eva-Maria Stange, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst

10.30 Uhr Vortrag
„Was wir von Menschen mit Behinderung lernen können“

Prof. Dr. André Zimpel, Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften

11.30 Uhr Vortrag
„Überlegungen zu einem Sächsischen Inklusionsgesetz“

Stephan Pöhler, Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung

12.15 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr Diskussionsrunde „Neue Teilhabe – wie klapp es mit dem Bundesteilhabegesetz in der Praxis “
Regina Kraushaar,
 Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
Prof. Thomas Kahlisch, Direktor der Deutschen Zentralbibliothek für Blinde zu Leipzig
Matthias Frahnow, Referent Behindertenhilfe und Psychiatrie beim Caritasverband der Diözese Görlitz e.V.

Moderation: Hanka Kliese, MdL

Ausklang bei Kaffee und Kuchen