+++ Fehler aner­kennen +++ Kein „Weiter so“ +++ Neue Wege gehen +++

„Die Situa­tion, in der wir sind, ist keine Natur­ka­ta­strophe. Sie wurde her­bei­ge­führt. Durch Fehler ver­ur­sacht. Seit 2011 steigen die Schü­ler­zahlen. Das wäre der Zeit­punkt gewesen, um umzu­steuern, um wieder neue Lehr­kräfte ein­zu­stellen, um die Absol­venten in Sachsen zu binden. Dieser Zeit­punkt wurde ver­passt und ich bin sicher, dass das mitt­ler­weile viele im Landtag bereuen. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen. Und für die Lehrer, Schüler und Eltern ist es herz­lich egal, wer daran schuld ist. Für die Bürger ist es nicht eine ein­zelne Partei, son­dern DIE Politik, die ver­sagt hat. Und deren Fehler sie jetzt aus­baden müssen. Ich kann nicht im Namen DER Politik spre­chen, denn die gibt es nicht.
Aber im Namen der SPD sage ich: Es tut uns sehr leid, dass die Situa­tion so ist, wie sie ist. Wir bitten um Ent­schul­di­gung. Ich wünschte, es wäre anders gekommen“, so Sabine Friedel in der Debatte zum Leh­rer­mangel am Don­nerstag im Säch­si­schen Landtag.

Für Friedel und die SPD ist klar, dass es keinen rei­bungs­losen Start ins das Schul­jahr 2017/18 geben wird: „Wir hatten auch schon keinen rei­bungs­losen Start in das Schul­jahr 2016/17 und auch nicht in das Schul­jahr 2015/16. Sachsen hat einen gra­vie­renden Leh­rer­mangel. Da kann man sich zwar wün­schen, dass alles rei­bungslos funk­tio­nieren soll. Aber mit diesem Wunsch ist man fernab jeg­li­cher Rea­lität. Wir haben an vielen Stellen Unter­richts­aus­fall, aber der Unter­richts­aus­fall ist nicht unser ein­ziges Pro­blem. Wir haben viele Sei­ten­ein­steiger – die Gott sei Dank da sind und uns helfen – die sich berufs­be­glei­tend qua­li­fi­zieren und dann zwei Tage in der Woche an der Schule fehlen.

Wir haben Schulen, da wech­selt in jedem Schul­jahr der Fach­lehrer. Wir haben etliche Grund­schul­klassen, wo die Klas­sen­lei­terin wech­seln muss. Für die Schüler ist so ein Leh­rerwechsel eine mas­sive Belas­tung. Denn – und hier ist der Satz wirk­lich ange­messen: Schule braucht Kon­ti­nuität. Die gibt’s gerade über­haupt nicht. Und das alles pas­siert, weil auf­grund des Leh­rer­man­gels ständig neu geplant werden muss, nicht nur von Schul­jahr zu Schul­jahr, son­dern immer wieder auch mit­ten­drin. Respekt und Dank an alle Schul­lei­tungen, die das tun und so immer wieder helfen, die schlimmsten Dinge abzu­fangen!“

Sabine Friedel wies in ihrer Rede außerdem darauf hin, dass ab Beginn der Koali­tion umge­steuert wurde: „Wir haben mit Ein­tritt in die Regie­rung zuerst einmal den Stel­len­abbau gestoppt. Wir haben die befris­tete Beschäf­ti­gung beendet. Jede frei­wer­dende Stelle wurde neu und unbe­fristet wie­der­be­setzt. Wir haben die Anzahl der Leh­rer­stellen erhöht – und zwar deut­lich. Die Pla­nung der Vor­gän­ger­re­gie­rung sah für das kom­mende Schul­jahr knapp 26.400 Leh­rer­stellen vor – jetzt haben wir 29.700, das sind 3.300 Stellen mehr! Und weil Stellen noch keine Leute sind, hört es da natür­lich noch nicht auf! Wir haben Zulagen für Neu­ein­stel­lungen orga­ni­siert, Zulagen für ältere Lehr­kräfte, damit sie im Schul­dienst bleiben. Wir haben die Lehr­kräfte ent­lastet, zusätz­liche Anrech­nungs­stunden für die älteren Kol­legen gegeben, die Ober­schul­lehrer in die E13 geholt, die Refe­ren­dars­be­züge erhöht – und ges­tern erst die bes­sere Bezah­lung von Über­stunden beschlossen.“

Abschlie­ßend schlägt Friedel vor: „Wir brau­chen einen anderen Umgang mit unserem Pro­blem:
Wir dürfen ers­tens nicht mehr schön­reden. Die Lage ist schlecht. Es wird dauern, sie zu ver­bes­sern. Aber Schritt für Schritt können und werden wir das hin­be­kommen.
Zwei­tens: Kein Weiter so. Beson­dere Situa­tionen erfor­dern beson­dere Maß­nahmen. Wenn wir in den Groß­städten im gym­na­sialen Bereich mehr Bewerber haben, als wir dort eigent­lich brau­chen, dann sollten wir sie nicht weg­schi­cken. Dann stellen wir eben über Bedarf ein. Auch an den groß­städ­ti­schen Gym­na­sien gibt es genü­gend Arbeit. Warum schi­cken wir die Leute weg? Keiner Schule im länd­li­chen Raum ist dadurch geholfen, dass es einer Schule in Leipzig genauso schlecht geht, wie ihr. Dann nutzen wir das päd­ago­gi­sche Plus in den Groß­städten, um mit unseren inhalt­li­chen Vor­haben vor­an­zu­kommen – mit Inklu­sion, mit Team­tea­ching, mit dem Wechsel zur Ganz­tags­schule.
Drit­tens: Die Not ist groß. Aber an man­chen Stellen kann man aus der Not auch eine Tugend machen. Beim jahr­gangs­über­grei­fenden Unter­richt ist das gut gelungen: Anfangs ging es nur darum, die Grund­schulen im länd­li­chen Raum zu erhalten. Doch wenn man mit den Schulen heute spricht, wenn man die Lehr­kräfte und die Schüler fragt, dann haben inzwi­schen alle ein großes Leuchten in den Augen. Eine Leh­rerin sagte mir, das war die beste Ent­schei­dung, die sie da getroffen haben: Der Unter­richt macht mehr Spaß, die soziale Kom­pe­tenz ist enorm gestiegen und ‚Frau Friedel‘, sagte sie dann, ‚wir kriegen von den Kin­dern so viel mehr zurück. Das ist doch das, worum es in unserem Beruf eigent­lich geht.‘ Diese Freude, diesen Stolz und diese Aner­ken­nung selbst zu ver­mit­teln und durch Beglei­tung und Unter­stüt­zung wei­ter­zu­ver­breiten anstatt büro­kra­ti­sche Hürden und Stöck­chen auf­recht zu erhalten, das ist doch unsere Auf­gabe: Die Auf­gabe des Kul­tus­mi­nis­te­riums, die Auf­gabe von uns als Regie­rungs­frak­tionen und die Auf­gabe der Politik im Ganzen. So einen Antrag hätte ich mir gewünscht – da hätten dann auch meine Augen geleuchtet.“

Die voll­stän­dige Rede der bil­dungs­po­li­ti­schen Spre­cherin Sabine Friedel findet sich unter: https://www.spd-fraktion-sachsen.de/wp-content/uploads/2017–06-22-Rede-Friedel.pdf